Hamburg - Die Stimmung in deutschen Unternehmen ist miserabel. Das geht aus einer aktuellen Online-Studie hervor. Knallharter Konkurrenzkampf mit den Kollegen, massiver Druck von den Vorgesetzten, kaum eine Chance aufzusteigen - viele Arbeitnehmer haben nur noch einen Wunsch: Holt mich hier raus!
Durchgeführt wurde die Untersuchung vom Institut für Mittelstandsforschung der Universität Lüneburg, vom Hanseatischen Personalkontor in Hamburg und vom Karriereportal Stepstone. Die Fragestellung der Wissenschaftler: Welchem Wettbewerbsdruck sind Deutschlands Arbeitnehmer ausgesetzt? Und wie gehen sie damit um?
Mitarbeiter-Protest (bei Daimler): Überangebot an Arbeitskräften
Die Ergebnisse sind bitter. Folgenden Aussagen stimmte jeweils eine Mehrheit oder zumindest eine knappe Mehrheit zu:
An der Online-Studie nahmen insgesamt 1650 Arbeitnehmer teil. Die meisten von ihnen üben qualitativ anspruchsvolle Tätigkeiten in der gewerblichen Wirtschaft aus. Die Befragung ist nicht repräsentativ, "für die anvisierte Zielgruppe dürfte die Studie aber realistische Ergebnisse liefern", schreibt Autor Albert Martin von der Uni Lüneburg.
Die Kollegen schenken sich nichts
Die Antworten der Teilnehmer lassen auf ein hohes Frustrationspotential schließen. "Arbeitnehmer sind offenbar nicht anders als Unternehmen darauf angewiesen, sich ständig gegen Mitbewerber zu behaupten", erklärt Martin. Etwa die Hälfte der Befragten sehe - gemessen an den verfügbaren Stellen - "ein deutliches Überangebot an Arbeitskräften".
Für die Chefs ist das eine angenehme Situation. Sie können die Mitarbeiter bequem gegeneinander ausspielen. Knapp 30 Prozent der Befragten stimmen denn auch dieser Aussage zu: "Die Unternehmensleitung forciert ganz bewusst den Wettbewerb ihrer Mitarbeiter um attraktive Positionen."
Dabei sind es aber nicht nur die Chefs, die den Beschäftigten Druck machen. Auch die Kollegen untereinander schenken sich nichts. Jeder vierte Befragte stellt fest, dass der unternehmensinterne Wettbewerb von einem übertriebenen Konkurrenzverhalten der Kollegen angeheizt werde. Beides bedingt sich übrigens: In jenen Unternehmen, in denen ein hoher Arbeitgeberdruck herrscht, verschärft sich auch das Konkurrenzverhalten der Kollegen.
"Erwartungen werden bitter enttäuscht"
Alles in allem sind die Arbeitnehmer mit ihrem beruflichen Leben nicht gerade zufrieden. Viele Arbeitsverhältnisse entsprechen nicht den Vorstellungen der Beschäftigten, oft ist die aktuelle Stelle nur das kleinere Übel - vergleichen mit der Alternative, überhaupt keinen Job zu finden.
Besonders erschreckend: Eine gute Bildung ist keineswegs eine Garantie dafür, dass sich die Beschäftigten in ihrem Beruf wohl fühlen. Im Gegenteil, schreibt Studienautor Martin: "Es kann leicht passieren, dass die durch den Erwerb eines höheren Bildungsabschlusses geweckten Berufserwartungen angesichts der tatsächlich verfügbaren Stellenprofile bitter enttäuscht werden."
Mit anderen Worten: Politik und Wirtschaft fordern die Bürger immer wieder auf, sich zu qualifizieren. Doch auf dem Arbeitsmarkt haben die Menschen nicht unbedingt etwas davon - einfach deshalb, weil es keine passenden Jobs gibt.
Das zeigt sich auch in den Umfrageergebnissen. Mehr als 30 Prozent halten die Art ihrer Tätigkeit verglichen mit der Ausbildung für "nicht angemessen". Mit ihrer gegenwärtigen Position im Unternehmen sind sogar knapp 40 Prozent unzufrieden. Auch die Karrieremöglichkeiten passen nicht zu dem, was sich die Arbeitnehmer aufgrund ihrer Ausbildung erhofft haben: Knapp 50 Prozent äußern sich hier kritisch.
Viele resignieren
Interessanterweise gibt es bei den Antworten kaum Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Auch das Ausbildungsniveau spielt keine große Rolle. Großen Einfluss hat dagegen die Art des Beschäftigungsverhältnisses: Besonders unzufrieden äußern sich Teilzeitkräfte, Leiharbeiter und Arbeitnehmer mit befristeten Verträgen.
"In diesen wenig angenehmen Umständen ist es durchaus verständlich, wenn sich bei einem davon betroffenen Arbeitnehmer eine resignative Haltung entwickelt", erklärt Martin.
70 Prozent aller Befragten stimmen denn auch dieser Aussage zu: "Ich werde versuchen, bei einem anderen Arbeitgeber eine bessere Stelle zu erhalten."
wal
Auf anderen Social Networks posten:
Kein Abwarten noetig. Wir alle wissen schon seit Jahren, wie angenehm das Leben im Kapitalismus in Gegensatzt zum Sozialismus ist. Das ist wohl auch der Grund, weil Millionen Menschen, die im Sozialismus lebten, nur einen Wunsch [...] mehr...
Es ist toll, wenn Menschen, denen es persönlich gut bis sehr gut geht, erkennen, dass das nicht für alle Menschen gilt und dass an dem System so einiges schief läuft und das System schwer verbesserungswürdig ist. Viele schauen [...] mehr...
Zitat von Pragmatist; " Armut und Verzweifelung ist nur fuer die breiten Massen da. Bonzen wie Wagenknecht haben schon immer gut gelebt, auch zu DDR Zeiten. So ist das nun einmal im sozialistischen Paradies. [...] mehr...
Gruezi! Meine Arbeit gefällt mir gut, als Kleinunternehmer bin ich mein eigener Boss. Kann tun lassen was ich will, aber schön vorsichtig, den Bogen nicht überspannen, lebe von zufriedenen Kunden. Natürlich habe auch ich hie [...] mehr...
Ich bin zufrieden. Uns seit mein Chef tut, was ich will, läuft das Geschäft auch gut. Gut wäre es halt, wenn man solche Leute nicht miternähren müsste. Aber, man kann ja nicht alles haben. mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH