Wirtschaft



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16.06.2008
 

Teure Lebenshaltung

Rekordinflation setzt Notenbank unter Zugzwang

Waren und Dienstleistungen im Euro-Raum sind so teuer wie noch nie: Die Inflation ist auf ein Rekordhoch gestiegen - satte 3,7 Prozent. Die Verbraucher werden kaufmüde, trotzdem scheint die deutsche Wirtschaft erstaunlich resistent.

Brüssel - Sie hat sich lange gesträubt, die Leitzinsen zu erhöhen. Doch jetzt kommt die Europäische Zentralbank wohl nicht mehr daran vorbei: Angesichts der Rekordinflation im Mai steht der Euroraum nach Einschätzung von Volkswirten nun höchstwahrscheinlich vor einem Eingriff der Notenbanker.

Supermarkt: Inflation treibt die Preise nach oben
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DPA

Supermarkt: Inflation treibt die Preise nach oben

Konkret sind die Verbraucherpreise im Mai in der Eurozone um 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Das teilte das europäische Statistikamt Eurostat am Montag mit. Dies ist die höchste Jahresrate seit Bestehen des Währungsraums. Der bisherige Höchststand waren 3,6 Prozent Inflation im März. Die EZB strebt eigentlich knapp unter zwei Prozent an.

Wegen der anhaltend hohen Teuerung und großer Inflationsgefahren hatte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet schon Anfang Juni eine Zinserhöhung für den kommenden Monat in Aussicht gestellt. Eine Anhebung des Leitzinses sei "nicht sicher, aber möglich". Marktbeobachter zeigten sich von der Ankündigung und den ungewohnt deutlichen Worten Trichets überrascht. Zuvor waren viele Experten davon ausgegangen, dass die Leitzinsen weiter nicht angetastet werden. Noch zum Jahreswechsel wurden sogar eher Zinssenkungen erwartet - wegen der internationalen Finanzkrise, die die Konjunktur dämpfte.

Dass die Lebenshaltungskosten gestiegen sind, macht sich vor allem beim privaten Konsum bemerkbar - auch in Deutschland. Die Ausgaben dafür haben sich im ersten Quartal kaum gesteigert, teilte das Institut für Wirtschaft in Köln (IW) an diesem Montag mit. Wegen der hohen Inflation hätten die Haushalte nur rund ein Prozent mehr ausgegeben als in den ersten Monaten des Vorjahres, teilte das IW mit.

Deutsche Wirtschaft überraschend gut

Insgesamt schnitt die deutsche Wirtschaft allerdings überraschend gut ab - und beflügelte damit die Wachstumserwartungen für 2008. Das IW geht für dieses Jahr von einem Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent aus, der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rechnet mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 2,3 Prozent.

Allerdings werde sich das Wachstum der Exportwirtschaft voraussichtlich abschwächen, teilte der DIHK an diesem Montag mit. Auch der Groß- und Außenhandelsverband BGA erwartet ein schwächeres Exportgeschäft. Für 2009 gehen die Experten von einer deutlichen Eintrübung der Konjunktur aus.

Die Prognosen von IW und DIHK sind in der Summe deutlich optimistischer als noch vor Monaten. Im April war das IW von nur 1,7 Prozent Wachstum ausgegangen, der DIHK von 2,0 Prozent. Dessen Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben nannte den Aufschwung nun "erfreulich widerstandsfähig".

Stärkste Triebfeder für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr ist nach Einschätzung des IW das investitionsfreundliche Klima in den Unternehmen. In den vergangenen Monaten hätten die Firmen tief in Tasche gegriffen, um ihre Produktion auf Vordermann zu bringen und die Konkurrenzfähigkeit zu erhöhen. "Vor allem die Nachfrage nach neuen Maschinen und Produktionsanlagen bekam einen Schub, so dass die gesamten Investitionen mehr Tempo machten", teilte das IW mit. Die Ausgaben für neue Maschinen erhöhten sich um 5,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Doch viel Zeit geben die Experten dem Boom nicht: Die bislang starke Exportwirtschaft Deutschlands wird sich nach Einschätzung des DIHK voraussichtlich schon in diesem Jahr abschwächen. Nur noch 36 Prozent der deutschen Industrieunternehmen rechnen für die kommenden zwölf Monate mit einem Zuwachs bei den Exporten, teilte der DIHK mit. Zu Jahresbeginn hätten noch 44 Prozent der Firmen mit einem stärkeren Exportgeschäft gerechnet. Der Anteil der Unternehmen, die mit einer Verschlechterung rechnen, habe sich dagegen von acht auf zehn Prozent vergrößert. Der Verband befragt für sein Stimmungsbarometer drei Mal im Jahr rund 21.500 Unternehmen.

Im kommenden Jahr wird das Wachstum deutlich zurückgehen und laut IW-Prognose nur noch 1,3 Prozent betragen. Ähnlich wie das IW beurteilte auch der DIHK die Aussichten skeptisch: 2009 werde es nur noch für eine "schwache 1" vor dem Komma reichen, erklärte der DIHK. Die Bundesregierung hatte zuletzt einen BIP-Zuwachs um 1,8 Prozent für das laufende und um 1,2 Prozent für das kommende Jahr prognostiziert.

sam/AFP/dpa-AFX

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