Berlin - Vorsprung für den Osten: Nach Einschätzung der Deutschen Industrie und Handelskammer (DIHK) wird 2008 das Wachstum in Ostdeutschland mit 4,5 Prozent knapp das westdeutsche übertreffen. Verantwortlich dafür sei besonders die verarbeitende Industrie, sagte DIHK-Geschäftsführer Martin Wansleben der "Leipziger Volkszeitung".
Der Abstand zwischen Ost und West nehme damit weiter ab. Erfreulich sei auch, dass in der ostdeutschen Industrie die Beschäftigungsabsichten sogar die höchsten im Bundesvergleich seien. Problematisch bleibe dagegen der Dienstleistungsbereich, der aufgrund der geringeren Kaufkraft weniger zunehme als in den alten Ländern, sagte Wansleben dem Blatt. Er warnte zugleich davor, den Standortvorteil in Ostdeutschland mit einem flächendeckenden Mindestlohn zunichtezumachen. Die Unternehmen "etlicher Branchen" würden sonst ihren Wettbewerbsvorsprung wieder einbüßen. Dadurch gerieten Arbeitsplätze in Gefahr, sagte Wansleben.
"Widerstandsfähiger auf den Weltmärkten"
Der Chefberater der EU, Klaus Gretschmann, erwartet für die gesamtdeutsche Wirtschaft ein erfolgreiches Jahr: "Ich war und bin optimistisch, dass Deutschland im Jahr 2008 besser dastehen wird, als viele erwarten", sagte der EU-Experte für Wirtschaftsfragen der "Welt".
Gretschmann ist Generaldirektor für Binnenmarkt, Wettbewerbsfähigkeit, Verkehr und Energie beim Rat der Europäischen Union und gehört damit zu den ranghöchsten Brüsseler Beamten.
Für dieses Jahr erwartet er ein Wachstum von mehr als 2,0 Prozent - "wenn es keine neuen Krisen gibt". Die deutschen Unternehmen hätten in diesem Jahr "massiv" an Produktivität und Effizienz gearbeitet, sagte Gretschmann. "Sie sind widerstandsfähiger auf den Weltmärkten." Seiner Meinung nach haben sich die deutschen Unternehmen stärker reformiert als Firmen in anderen europäischen Staaten. Der EU-Chefberater kann sich vorstellen, dass Deutschland wieder zur "Lokomotive in Europa" wird.
cvk/AP/ddp/Reuters
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