Von Hasnain Kazim
Ohne Ölknappheit wäre die Richtung klar: Autos könnten immer größer, immer schneller werden. Doch kostete ein Liter Benzin im Jahr 1950 noch rund 50 Pfennig, muss man heute schon mehr als 1,55 Euro zahlen. Allein in den vergangenen zwölf Monaten stiegen die Spritkosten um durchschnittlich 30 Prozent. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht.
Deshalb erkennt man selbst in den USA, dem Land der Spritschleudern, dass Autos mit großem Hubraum und durstigem Motor nicht gerade sinnvoll sind. Dort boomt der Verkauf von Hybridfahrzeugen. Auch die Deutschen entdecken diese Zwitterantriebe aus Elektro- und Benzinmotor. Wer versucht, in einer Stadt wie Berlin ein solches Auto Probe zu fahren, findet keins - die Händler haben alle Termine schon seit langem vergeben.
Die Ölkonzerne und die Autohersteller haben noch immer ein Interesse an großen, viel verbrauchenden Fahrzeugen - denn nur damit lässt sich richtig viel Geld verdienen. "Der Verkauf von schweren Limousinen und von großen Geländewagen wirft viel mehr Gewinn ab als beispielsweise der Golf, an dem Volkswagen je nach Ausstattung 500 bis 1000 Euro verdient", sagt ein VW-Mitarbeiter. "Bei einem Porsche Cayenne dürfte der Gewinn dagegen im fünfstelligen Bereich liegen." Da die großen Autos sich nach wie vor prächtig verkaufen, sind die deutschen Hersteller immer noch weit davon entfernt, der Entwicklung von wirklich sparsamen Motoren den Vorrang zu geben.
Autobranche in Sorge vor Ansehensverlust
"Der Vorwurf, die Deutschen würden zu große und zu schwere Autos bauen, ist nicht mehr zeitgemäß", hält Eckehart Rotter dagegen, Sprecher des mächtigen Verbands der Automobilindustrie. Die deutschen Hersteller, sagt Rotter, hätten 2007 den CO2-Ausstoß ihrer Autos um 3,5 Prozent gesenkt. "Damit sind wir Vorreiter vor den europäischen Mitbewerbern." In absoluten Werten liegt der Schadstoffausstoß bei Mercedes, BMW und Audi immer noch viel höher als bei Produzenten wie Fiat, Renault und PSA mit seinen beiden Marken Peugeot und Citroen.
Tatsächlich bemühen sich die deutsche Produzenten wieder um kleinere, umweltfreundlichere Autos, allein schon um den durchschnittlichen CO2-Ausstoß der Fahrzeugpalette unter dem EU-Grenzwert zu halten und damit empfindlichen Strafzahlungen nach Brüssel zu entgehen. Doch ein nennenswerter Schritt ist es kaum, wenn ein Auto statt sieben nur noch 6,5 Liter Sprit auf 100 Kilometer verbraucht.
Sorge hört man in der Autobranche davor, dass bei anhaltender Debatte über den Klimaschutz irgendwann die gesellschaftliche Akzeptanz von großen, Umwelt verschmutzenden Autos fällt. "Wenn die Kunden schief angeguckt werden, weil sie einen Geländewagen oder einen Sportwagen fahren, wird es schwierig, solche Autos zu verkaufen", sagt ein Ingenieur bei BMW. Daher arbeite man mit Hochdruck an kleineren Autos, um den Anschluss nicht zu verpassen. "Diese Arbeit darf nicht halbherzig erfolgen und das Auto muss am Ende auch leistbar sein", sagt er - "nicht wie das Drei-Liter-Auto von Volkswagen, der Lupo."
Der Verkauf von Neuwagen ist derweil zuerst in den USA und nun auch in Europa drastisch eingebrochen. In den 15 westlichen EU-Staaten sowie in Norwegen, Island und in der Schweiz gingen die Pkw-Neuzulassungen nach Angaben des europäischen Branchenverbands Acea allein im Mai um acht Prozent auf 1,2 Millionen Fahrzeuge zurück.
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