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Wall-Street-Krimi Der Millionenbetrüger, der einfach verschwand

2. Teil: Wie die Freundin Samuel Israel verriet

Das Urteil war eines der schärfsten in der damals forcierten Strafverfolgung krimineller Konzernchefs. WorldCom-Gründer Bernie Ebbers wurde im selben Jahr zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt, der frühere Enron-Vorstandschef Jeffrey Skilling im Mai 2006 zu 24 Jahren. Beide sitzen längst hinter Gittern.

Israel sollte seine Strafe am 9. Juni antreten. Doch bei genauerem Hinsehen war das Ganze von Anfang an faul: Warum, so stellte sich zum Beispiel bald die Frage, fuhr Israel sich selbst zum Gefängnis, statt sich bringen zu lassen? "Das frage ich mich auch", sagte Cheffahnder Cuccia zur Lokalzeitung "Journal News". "Haben die da etwa einen Parkservice?"

Keine Leiche im Fall Israel

Es gab keine Leiche, es gab keine Zeugen. Gerüchte begannen zu kursieren. Etwa, dass eine Videokamera an der Brücke gefilmt habe, wie jemand aus dem SUV aus- und in einen anderen Wagen umgestiegen sei. "Stimmt nicht", dementierte die Landespolizei schnell.

Spätestens da begann der Fall dem Kinothriller "Auf der Flucht" zu gleichen, in dem Harrison Ford 1994 den zu Unrecht mordverdächtigen Dr. Richard Kimble spielte. Auch in dem Film gibt es eine Szene, in der der Protagonist aus großer Höhe ins Wasser springt, um sich zu retten.

Alle Polizeistationen entlang des Hudsons wurden alarmiert. Das FBI schaltete sich ein. Manchmal, so hieß es, dauere es eben Tage, wenn nicht Wochen, bis sich die Leiche eines "Jumpers" finde, eines Brückenspringers. Doch meist tauchten sie alle wieder auf: Von den mehr als 40 Menschen, die nach Angaben der Polizei seit 1980 von der Bear Mountain Bridge in den Tod sprangen, blieb bis heute nur einer verschwunden. Und der hatte sich angeblich mit einem Rucksack voller Steine beschwert.

"Wenn die Leiche nicht bald angespült wird", beschloss Fahnder Cuccia, "dann ist er nicht gesprungen." Die Polizei nahm derweil Israels Lebensgefährtin Ryan, 45, näher unter die Lupe. Nach zehntägigem Leugnen klappte die Dekorateurin schließlich im Verhör zusammen und gestand, Israel bei der Flucht geholfen zu haben. Erst hätten sie ein Wohnmobil mit seinen Sachen gepackt, darunter auch ein Motorroller. Dann hätten sie das Gefährt auf einem nahen Rastplatz abgestellt. Später sei Israel in seinem SUV alleine verschwunden.

Fahndung nach gefährlichem Verdächtigen

Als der fragliche Rastplatz inspiziert wurde, gab es dort natürlich keine Spur mehr von dem Wohnmobil. Ryan wurde Ende voriger Woche dem Haftrichter vorgeführt, der Beihilfe angeklagt und gegen 75.000 Dollar Kaution freigelassen. Ihr drohen nun zehn Jahre Haft.

Die Polizei und das US-Justizministerium haben inzwischen Fahndungsplakate mit Israels Konterfei gedruckt. Ein weiteres Poster beschreibt den Fluchtwagen, ein "Freelander"-Wohnmobil, Kennzeichen EEN-4973, mit einer Beule an der Beifahrerseite. "Der Verdächtige", heißt es, "gilt als bewaffnet und gefährlich."

Israel wäre nicht der erste abgetauchte Wall-Street-Gauner. Hedgefondsmanager Kirk Wright verschwand 2006, nachdem er seine Investoren um 150 Millionen Dollar betrogen hatte. Er wurde kurz darauf am Swimmingpool des Ritz-Carlton Hotels in Miami Beach geschnappt. Vor vier Wochen erhängte er sich in der Haft.

Ebenfalls 2006 flüchtete der Fondsmanager Angelo Haligiannis, der seine Anleger um mindestens 27 Millionen Dollar gebracht hatte. Er befreite sich von seiner elektronischen Fußfessel und wurde später in Kreta verhaftet.

Wie alle berüchtigten Flüchtlinge hat auch Israel längst einen Fanclub. Es dauerte zumindest nicht lange, bis eine seiner Visitenkarten aus alten Bayou-Zeiten auf eBay auftauchte, samt Pelikan-Logo. "Biete für ein Stück Geschichte", lockte die Beschreibung. 27 Interessenten ließen sich das nicht zweimal sagen. Die Auktion endete am vergangenen Donnerstag. Das siegreiche Gebot: 61 Dollar.

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