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Argentinien Der Bauernprotest, der zur Staatskrise wird

2. Teil: Wie aus einem Bauernprotest eine Staatskrise zu werden droht

Kaum hatten die Landwirte ihre Kontrollblockaden zugunsten einer neuen Gesprächsrunde für 30 Tage ausgesetzt, begann Mitte Mai die unabhängige Transportarbeitergewerkschaft ihre Mitglieder zu mobilisieren. Aus Frust und Verzweiflung über den wochenlangen Verdienstausfall blockierten die Fernfahrer ihrerseits die Landstraßen und verlangten ein Ende der Auseinandersetzungen und eine Lösung des Konflikts. "Wir wollen endlich wieder arbeiten, transportieren und Geld verdienen", hieß es unisono.

Was als Streit zwischen einem Wirtschaftszweig und der Regierung begonnen hatte, hat längst die ganze Nation erfasst. Im Land der Rindersteaks wird Fleisch knapp. "Es gibt kaum noch Fleisch." Juan Fiore deutet auf die Lücken in den Regalen. "Und Mehl, Speiseöl, Zucker und Nudeln gibt es nur in haushaltsüblichen Mengen." Fiore, Abteilungsleiter bei der Supermarktkette Coto, organisiert seit Wochen die Unterversorgung. "Unsere Kunden haben Verständnis. Nur wenige murren, Hamsterkäufe sind selten." Die Einschränkungen bei der Abgabemenge richten sich vor allem gegen die kleinen Einzelhändler. "Die", sagt Fiore, "bekommen fast nichts mehr geliefert und würden bei uns alles für ihre kleinen Läden leer kaufen."

Noch übt sich die Stadtbevölkerung in Geduld. Nur zweimal kam es zu wütenden Protesten: Ende März trommelten Tausende enttäuschte Menschen in Buenos Aires vor dem Präsidentenpalast auf ihre Kochtöpfe. Die Bilder vom Höhepunkt der argentinischen Krise im Dezember 2001 waren wieder präsent. Damals war Präsident Fernando de la Rúa mit dem Hubschrauber aus dem Präsidentenpalast geflüchtet. Der Hubschrauber stand auch diesmal bereit, aber die Präsidentin zog es vor, mit dem Auto nach Hause zu fahren.

Schläge auf den Kochtopf als Protest

Vergangene Woche schepperten wieder die Kochtöpfe in den Straßen. Diesmal lauter und in allen größeren Städten des Landes. Noch will kaum jemand Cristina Fernández de Kirchner aus dem Amt vertreiben. Doch den sturen und autoritären Führungsstil der Kirchners haben große Teile der Bevölkerung satt. Mit den Losungen "Basta Cristina!" und "Dialog und Frieden" forderten Zehntausende ihre Präsidentin auf, dem Streit mit den Farmern endlich ein Ende zu bereiten.

Aber wie schon nach dem ersten Kochtopfkonzert konterte die Regierung mit einer großen Unterstützungsdemonstration für die Präsidentin und ihre Politik - ebenfalls vor dem Präsidentenpalast. Vor rund 100.000 Menschen forderte Cristina Fernández de Kirchner die Landwirte auf, die Straßen frei zu machen.

Die Präsidentin hat die umstrittene Verordnung zur Erhöhung der Exportsteuer inzwischen ans Parlament weitergereicht. So hat sie sich erst einmal eine Verschnaufpause verschafft. Zwar bleibt die Verordnung weiter in Kraft und nach den Worten von Frau Kirchner wird sich daran auch nichts ändern. Dennoch haben die Agrarverbände ihre Blockaden am Wochenende vorerst eingestellt. Alle schauen jetzt auf den Kongress.

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