Mittwoch, 10. Februar 2010

Wirtschaft



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25.06.2008
 

Hohe Abschlüsse

Tariflöhne steigen wie seit 2000 nicht mehr

Gute Nachrichten für Deutschlands Arbeitnehmer: Die Löhne und Gehälter werden einer neuen Prognose zufolge 2008 kräftig steigen. Zwar ist auch die Inflation so hoch wie lange nicht mehr - und doch soll unterm Strich erstmals seit drei Jahren auch real mehr im Geldbeutel bleiben.

Hamburg - Die Tarifabschlüsse im ersten Halbjahr 2008 waren ungewöhnlich hoch: Rund 4,6 Prozent Lohnsteigerung wurden dem Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in Düsseldorf zufolge erkämpft. Wenn man die Abschlüsse aus den ersten sechs Monaten mit ihren verschiedenen Laufzeiten und die länger laufenden Verträge von 2007 berückksichtige, ergebe sich eine Lohnsteigerung von 3,3 Prozent für das Gesamtjahr. "Das ist der höchste Anstieg in diesem Jahrzehnt", sagt Tarifarchiv-Leiter Reinhard Bispinck. Im vergangenen Jahr waren die Löhne und Gehälter um durchschnittlich 2,2 Prozent gestiegen.

Angesichts einer Preissteigerungsrate von rund drei Prozent werde gesamtwirtschaftlich immerhin eine kleine tarifliche Reallohnsteigerung erreicht, sagte Bispinck. In manchen Branchen hätten die Beschäftigten auch gute Chancen auf ein kräftiges Plus. Dies sei nicht zuletzt das Ergebnis von Warnstreiks und Arbeitsniederlegungen, mit denen viele Beschäftigte Druck gemacht hatten. Besonders hohe Abschlüsse gab es demnach in den Branchen Stahl und Chemie sowie im öffentlichen Dienst. In anderen Branchen, etwa im Steinkohlebergbau und im Hotel- und Gaststättengewerbe, seien die Abschlüsse dagegen deutlich niedriger ausgefallen.

Die unter dem Dach des DGB vereinten Gewerkschaften schlossen in den ersten sechs Monaten für rund 4,4 Millionen Beschäftigte neue Lohn- und Gehaltstarifverträge ab. Das sei ein knappes Viertel der von Tarifverträgen erfassten Arbeitnehmer, sagte Bispinck. Für weitere 4,6 Millionen wurden die Lohnsteigerungen für 2008 bereits im Vorjahr vereinbart.

Dieses Jahr fielen die Lohnzuwächse fielen in der boomenden Chemie- und Stahlbranche mit jeweils rund fünf Prozent besonders hoch aus. Auch die Beschäftigten von Bund und Kommunen erhalten rund fünf Prozent mehr. Im Steinkohlebergbau oder bei Hotels und Gaststätten gab es dagegen nur ein leichtes Plus. Im Einzelhandel wurde nach über einjährigen Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften noch kein Abschluss erreicht.

Auch arbeitgebernahe Forscher einverstanden

Sogar das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hält die hohen Abschlüsse für vertretbar. "Die Abschlüsse sind vor allem in den boomenden Exportbranchen hoch", sagte IW-Tarifexperte Hagen Lesch der Nachrichtenagentur Reuters. Dort könne man sich das durchaus leisten. Allerdings könne von Lohnzurückhaltung nun nicht mehr die Rede sein, die seit Mitte der neunziger Jahre 880.000 Arbeitsplätze gesichert habe. In wirtschaftlich schwächeren Zeiten könnten sich hohe Lohnkosten als Beschäftigungsbremse erweisen. "Die Lohnerhöhungen von heute beeinflussen die Einstellungen von morgen", sagte Lesch.

Die WSI-Berechnungen dürften trotzdem für viele Arbeitnehmer ein Trost sein, nachdem das erste Vierteljahr 2008 rein finanziell ziemlich ernüchternd war. Vor wenigen Tagen hatte die Europäische Zentralbank (EZB) Zahlen veröffentlicht, wonach die Löhne und Gehälter für Vollzeitkräfte von Januar bis einschließlich März im Vergleich zum Vorjahresquartal um 2,8 Prozent gestiegen waren - die Teuerungsrate allerdings um 2,9 Prozent.

Vor allem die hohen Lebensmittel- und Energiepreise treiben die Inflation. Die Teuerungsrate ist derart alarmierend, dass jetzt auch EZB-Chef Jean-Claude Trichet vor dem EU-Parlament ein hartes Durchgreifen gefordert hat. Die Märkte müssten transparent sein, sagte Trichet - notfalls müsse man sie eben entsprechend reglementieren.

ase/AFP/Reuters

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