Washington - Trotz gestiegener Preise kosten viele Lebensmittel in den USA genauso viel wie früher: Die Hersteller haben einfach die Packungsgrößen verkleinert. Ein "regelrechtes Schrumpf-Programm bei Lebensmitteln" beobachtet das Verbraucherportal Consumerist.com.
Kleinere Packungsgrößen bedeuten aber eine versteckte Preiserhöhung, kritisiert Deirdre Cummings von der Verbraucherberatung Masspirg. Hersteller wie der Lebensmittelriese Unilever verteidigen die veränderten Packungsgrößen dagegen als "letztes Mittel" im Kampf gegen ihre gestiegenen Kosten.
Eine Packung Margarine der Sorte Country Crock enthält seit kurzem sechs Prozent weniger Inhalt, die Eiscreme im Becher von Breyers schrumpfte um 14 Prozent. Die Flasche Tropicana-Orangensaft ist schlanker und schmaler geworden, wie Bilder auf der Internet-Seite des Verbraucheranwalts Edgar Dworsky zeigen.
Tropicana verteidigt im Internet die neue Verpackung: Die Ölpreise seien explodiert - und aus Öl werde die Plastikflasche hergestellt, mit Öl liefen die Fabriken und die Kühllaster, mit denen der Orangensaft quer durchs Land transportiert werde. Tropicana hätte entweder die Preise erhöhen - oder die Flasche verkleinern müssen. Der Hersteller wählte die Verpackungsänderung. Die kleinere Flasche biete nun aber einen "Mehrwert": einen neuartigen Verschluss.
Verbraucherschützer kritisieren solche Vernebelungstaktiken. "Sie werben mit 'Neue, verbesserte Verpackung', aber niemals mit 'Neue, verkleinerte Verpackung'", sagt Ben Popken von Consumerist.com. Oft veränderten die Hersteller die Verpackung und hofften, dass der Verbraucher so die Verkleinerung gar nicht bemerke.
Besonders perfide findet Popken den Trick einiger Restaurants und Kneipen, die, statt die Preise zu erhöhen, Biergläser mit dickeren Glasböden benutzen und so die Menge verringern. Der Verbraucherschützer plädiert für Ehrlichkeit: "In meiner Pizzeria haben sie die Preise erhöht und Zeitungsartikel aufgehängt, die erklären, warum sie das tun mussten." Das sei allemal besser als die Versuche, die Kunden reinzulegen.
Von Karin Zeitvogel, AFP
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