New York - Belastet vom drastischen Anstieg des Ölpreises und massiven Kursverlusten im Bankensektor hat die Wall Street am Donnerstag sehr schwach geschlossen. Der Leitindex Dow Jones
Der marktbreite S&P-500-Index sank um 2,94 Prozent auf 1.283,15 Zähler. Auch an der Technologiebörse Nasdaq gingen die führenden Indizes sehr schwach aus dem Handel, der Composite-Index fiel um 3,33 Prozent auf 2.321,4 Zähler. Der Nasdaq 100 sackte um 4,06 Prozent auf 1.855,39 Zähler.
Enttäuschende Unternehmenszahlen, negative Studien zu US-Banken und zum Autosektor sowie Spekulationen um finanzielle Sorgen bei General Motors
und Chrysler hätten von Beginn an auf die Stimmung gedrückt, sagten Börsianer.
Die Investmentbank Goldman Sachs
hatte neue Milliardenabschreibungen bei Citigroup
und Merrill Lynch vorhergesagt. Unerwartet schwache Geschäftszahlen von Nike
und Research in Motion
trübten die Stimmung zusätzlich. Zudem hätten Aussagen der Opec die Investoren verschreckt. Die Organisation Erdöl exportierender Länder hatte zuvor Spekulationen über weiter rasant steigende Ölpreise genährt:
."Ich rechne mit Preisen von 150 bis 170 Dollar im Laufe des Sommers",sagte Opec-Generalsekretär Tschakib Chelil dem französischen Sender France 24.
Ölpreis knackt 140-Dollar-Marke
Erstmals war der Ölpreis am Donnerstag auch auf ein Rekordhoch von 140 US-Dollar gestiegen. In New York stieg der Preis der Referenzsorte "Light Sweet Crude" um 5,50 Dollar auf 140,05 Dollar. In London kostete ein Fass "Brent North Sea Crude" 140,38 Dollar. Anschließend gingen die Preise wieder etwas zurück.
Als Grund wurde die Dollar-Schwäche gegenüber dem Euro angeführt. Öl wird in der US-Währung bezahlt, weshalb ein schwächerer Dollar die Ölnachfrage aus Nicht-Dollar-Ländern ankurbelt.
Für weitere Unsicherheit neben den Prognosen des IOpec-Generalsekretärs sorgte der Chef der staatlichen Ölgesellschaft Libyens. Libyen hatte erklärt, eine Reduzierung der Fördermenge als eine Möglichkeit zu prüfen. Dies sei als Reaktion auf die jüngsten US-Drohungen gegen die ölexportierenden Staaten denkbar, sagte der ranghohe Regierungsvertreter Schokri Ghanem der Nachrichtenagentur Reuters. Konkrete Pläne gebe es derzeit aber nicht. "Wir prüfen alle Optionen", erklärte er lediglich und verwies darauf, dass die Förderländer vor den US-Einmischungsversuchen geschützt werden müssten. Im amerikanischen Kongress kursiert derzeit eine Vorlage, wonach es dem Justizministerium erlaubt sein soll, Opec-Staaten zu verklagen. Das US-Präsidialamt hat aber ein Veto angekündigt.
Unterdessen gehen Händler davon aus, dass die Heizölpreise trotz einer leichten Entspannung am Markt bis Ende des Jahres nicht spürbar sinken werden. Neben einem relativ niedrigen Angebot an Öl drückten der traditionell hohe Spritverbrauch in den Sommermonaten und voraussichtlich von Herbst an die beginnende Heizsaison auf die Preise, sagte der Zweite Vorsitzende des Verbandes für Energiehandel (VEH) Südwest-Mitte, Bernd Schilly, in Stuttgart. Derzeit koste der Liter Super-Heizöl etwa 97 Cent. Im vergangenen halben Jahr sei der Heizölpreis um ein Viertel gestiegen.
| Knappe Kapazitäten - Ölförderung in der Opec * | ||
| Förderung im April 2008 |
vorhandene Kapazitäten |
|
| Algerien | 1,38 | 1,40 |
| Indonesien | 0,86 | 0,88 |
| Iran | 3,93 | 4,02 |
| Kuweit | 2,59 | 2,62 |
| Libyen | 1,76 | 1,80 |
| Nigeria | 1,86 | 2,47 |
| Katar | 0,83 | 0,90 |
| Saudi Arabien | 9,05 | 10,90 |
| Ver. Arab. Emirate | 2,65 | 2,88 |
| Venezuela | 2,32 | 2,50 |
| Angola | 1,82 | 1,82 |
| Ecuador | 0,50 | 0,50 |
| Irak | 2,34 | 2,45 |
* in Millionen Barrel pro Tag Quelle: Internationale Energieagentur |
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amz/dpa/Reuters/AFP/AP
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