London - "Wir schlagen unseren europäischen Partnern ein Projekt über die Schaffung eines dichten Netzes mit Gas-Tankstellen unter Beteiligung von Gasprom
vor", sagte Konzernchef Alexej Miller zu Beginn der Hauptversammlung in Moskau. Für die nächsten zehn Jahre sei keine bessere Alternative zum Rohöl in Sicht als Gas.
Gasprom-Chef Miller: Der Börsenwert soll sich verdreifachen
Am Donnerstag war der Ölpreis über die 140-Dollar-Marke gestiegen. Am Freitag kletterte er weiter auf mehr als 142 Dollar. In früheren Äußerungen hatte Miller Preise von 250 Dollar pro Barrel für das kommende Jahr vorausgesagt.
Mit dem geplanten Netz aus Erdgas-Tankstellen will Gasprom auf die hohen Benzinpreise reagieren. "Versuche, die traditionellen Motortreibstoffe durch biologische zu ersetzen, haben nur zur Gefahr einer globalen Lebensmittelkrise geführt", sagte Miller. Ob Erdgas allerdings das Mittel der Wahl ist - das ist bei Experten umstritten. Jüngsten Studien zufolge sind Autos mit Gasantrieb nicht unbedingt günstiger.
Für Gasproms Zukunft zeigte sich der Konzernboss optimistisch. Auf der Hauptversammlung des staatlich kontrollierten Unternehmens erhöhte Miller die Prognose für die diesjährige Fördermenge auf 563 Milliarden Kubikmeter. Das wäre im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um 2,6 Prozent. Beim Export will Gasprom seinen Umsatz sogar um 62 Prozent auf dann 64 Milliarden Dollar steigern.
Unmittelbar vor der Hauptversammlung hatte sich Miller per E-Mail-Interview in der "Financial Times" zu Wort gemeldet. Dort sagte er, dass Gasprom in den kommenden Jahren nicht nur eines der größten Unternehmen der Welt, sondern auch das einflussreichste im Energiesektor sein werde. Ziel sei eine Marktkapitalisierung von einer Billion Dollar. Aktuell ist das Unternehmen an der Börse 340 Milliarden Dollar wert.
In dem Interview nannte Miller Nordamerika als "interessantes Geschäftsfeld". In Russland selbst möchte der Konzernchef ausländische Unternehmen allerdings an die kurze Leine nehmen: Sie sollten nur an der Seite von staatlich kontrollierten Firmen wie Gasprom investieren dürfen, sagte Miller.
Die Ölpreise haben am Freitag ihre Rekordjagd fortgesetzt. Gegen Mittag stieg der Preis für ein Barrel Leichtöl der Sorte WTI auf bis zu 142,26 Dollar - rund zwei Dollar mehr als am Vortag. Der Preis der Nordseesorte Brent kletterte ebenfalls auf einen neuen Rekord von 142,13 Dollar.
Libyen hatte gedroht, die Erdölproduktion zu reduzieren. Der Chef des staatlichen Mineralölkonzerns Ghanem schloss einen solchen Schritt nicht aus, falls die USA nicht die Souveränität anderer Länder respektierten. "Die jüngsten Entwicklungen zeigen, dass der Markt sehr angespannt ist", schreibt Commerzbank-Rohstoffexperte Eugen Weinberg in einer Studie. Angesichts der "Nähe zu der magischen Marke von 150 Dollar" suchten Händler Anlässe, um "weiter nach oben zu marschieren".
Nach der Einschätzung von Gasprom-Chef Miller werden staatliche Energiekonzerne den weltweiten Wettbewerb um neue Gas- und Ölvorkommen dominieren. "Die staatliche Unterstützung garantiert Gasprom Vorteile bei der Lizenzvergabe für die Erschließung neuer, vor allem strategisch wichtiger Felder in Russland," sagte Miller. Gasprom ist zu 51 Prozent im Besitz des russischen Staates. Die übrigen Anteile werden von russischen Aktionären sowie ausländischen Investoren wie dem deutschen Konzern E.on
kontrolliert.
Am Freitag kamen die Gasprom-Aktionäre zusammen, um einen neuen Chefkontrolleur des Konzerns zu wählen. Diesen Posten hatte bisher Dmitrij Medwedew inne, der seit Mai russischer Staatspräsident ist.
wal/Reuters/dpa-AFX
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