Wirtschaft



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29.06.2008
 

Radikalsanierung

Siemens-Chef Löscher verteidigt Jobabbau

Verzweifelter Erklärungsversuch: Vor einem Beschluss am Montag kann Siemens-Chef Löscher den radikalen Jobabbau im Konzern noch nicht offiziell bestätigen. Doch nach entsprechenden Berichten ist die Empörung so heftig, dass er sich dennoch äußern musste - und die Pläne indirekt eingesteht.

Hamburg - Es ist ein Kommunikationsdesaster: Rund 17.000 Stellen sollen bei Siemens wegfallen, rund 6400 davon in Deutschland - doch es war nicht Siemens-Chef Peter Löscher, der der Öffentlichkeit diese Zahlen mitteilte. Stattdessen standen sie am Freitag in der "Süddeutschen Zeitung" und in der "Bild"-Zeitung. Die Empörung vor allem seitens der Arbeitnehmervertreter der Siemensianer war entsprechend groß. Nun meldet sich Löscher in der "Bild"-Zeitung eilig zu Wort - direkt bestätigen will er die Pläne allerdings immer noch nicht. "Ende letzter Woche haben wir zuerst den Gremien unsere Pläne gegeben. Einige darin enthaltene Angaben haben offenbar gleich danach die Öffentlichkeit erreicht", sagt er stattdessen.

Siemens-Chef Löscher: "Ich möchte so schnell wie möglich Klarheit schaffen"
REUTERS

Siemens-Chef Löscher: "Ich möchte so schnell wie möglich Klarheit schaffen"

Gleichzeitig verteidigt er aber die Pläne, die er noch nicht einmal offiziell gemacht hat: "Unser Geschäft wächst. Aber unsere Verwaltungen müssen schlanker werden. Wir fordern von der Führungsebene und der Verwaltung genau das ein was für die Mitarbeiter in den Fabriken selbstverständlich ist: Produktivität und Effizienz." Das heiße "weniger Verwaltungen, weniger Bürojobs". Den bisherigen Berichten zufolge soll der Jobabbau vor allem die Führungskräfte des oberen und mittleren Managements treffen, nachdem Siemens bereits Tausende einfache Jobs in der Produktion gestrichen hat.

"Kündigungen sind das allerletzte Mittel"

Ziel sei es, vor allem in der Verwaltung bis 2010 rund 1,2 Milliarden Euro einzusparen, sagt Löscher. "Weltkonjunktur und Ölpreis schaffen zusätzlichen Handlungsdruck. Wir müssen das Unternehmen jetzt wetterfest machen." Betriebsbedingte Kündigungen schließt der Konzernchef in dem Interview nicht grundsätzlich aus. "Der Stellenabbau soll so sozialverträglich wie möglich ablaufen. Kündigungen sind das allerletzte Mittel. Am Ende muss eine gute Lösung her." Er strebe jetzt zügige Verhandlungen mit dem Betriebsrat an, um konkrete Abbaupläne zu erarbeiten. "Ich möchte so schnell wie möglich Klarheit schaffen, je früher desto besser. Denn natürlich ist Unsicherheit da und möchte jeder konkret wissen, was kommt", sagt der Siemens-Vorstandschef.

Über den Jobabbau, der nun konkret wird, wurde bereits seit Monaten spekuliert. Denn bereits im November hatte Löscher angekündigt, dass radikal gespart werden müsse, auch die ehrgeizigen Vorgaben machte er schon damals offiziell. Dass Tausende Stellen gestrichen werden müssen, um derartige Summen einzusparen, war abzusehen. Über die genauen Inhalte des bevorstehenden Sanierungsprogramms ließ Löscher Mitarbeiter und Öffentlichkeit aber bis heute im Dunkeln - kein besonders geschicktes Vorgehen, wie er selbst eingesteht. Es sei "aus heutiger Sicht sicher falsch" gewesen, die Kürzungspläne so früh anzukündigen, mit dem Wissen, die Details über lange Zeit hin schuldig bleiben zu müssen, erklärte Löscher dem "Focus".

Weltweit hat Siemens 435.000 Beschäftigte, davon rund 130.000 in Deutschland. In Deutschland wird der Stellenabbau Franken am härtesten treffen. In Erlangen sollen dem Vernehmen nach 1330 Arbeitsplätze wegfallen und in Nürnberg weitere 540. Auch die Standorte München und Berlin sind mit 900 beziehungsweise 340 Stellen stark betroffen.

Offiziell könnten die Pläne bekannt gegeben werden, nachdem am Montag in einer Woche der Wirtschaftsausschuss des Konzerns über die Kürzungen beraten hat. Dann beginnen laut "Bild"-Zeitung die Verhandlungen mit dem Betriebsrat. Bis Herbst sollen demnach der konkrete Abbauplan stehen und die betroffenen Mitarbeiter informiert werden.

Die schlechte Kommunikation des Sparprogramms wird die ohnehin schwierigen Gespräche sicher zusätzlich belasten. Denn die Arbeitnehmerseite fühlt sich übergangen. "Wir sind verärgert, dass die Presse offenbar konkrete Zahlen kennt, bevor die Arbeitnehmervertreter von Siemens informiert wurden", sagte ein Sprecher der IG Metall in Bayern.

ase/AP/Reuters

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