Frankfurt am Main - Am Vormittag war schon von Ausverkaufsstimmung die Rede gewesen. Doch am Ende verlief der Handelstag glimpflich. Obwohl am Mittag noch das Jahrestief wahrscheinlicher schien als alles andere, erholte sich der Dax
, angestoßen von Kursgewinnen an der Wall Street, und schloss bei 6418 Zählern. Damit entwickelte er sich allerdings schwächer als die meisten anderen großen europäischen Indizes. Der Europa-Index Stoxx 50
legte gut ein Prozent auf 2906 Zähler zu.
Beherrschendes Thema blieb zum Wochenbeginn an den Aktienmärkten das teure Öl. Der Preis für ein Fass US-Leichtöl der Sorte WTI war bis auf ein Rekordhoch von 143,67 Dollar gestiegen, gab am Nachmittag dann allerdings wieder rund drei Dollar nach. "Wir sehen eine kleine technische Erholung, die am Markt mit Erleichterung aufgenommen wurde", sagte ein Händler kurz vor Börsenschluss.
Auf positive Resonanz stieß auch der unerwartet starke Anstieg des Konjunkturindex der Einkaufsmanager aus dem Großraum Chicago im Juni. In Reaktion auf das etwas billigere Öl und die Konjunkturdaten verbuchte die Wall Street Kursgewinne. Der Dow-Jones-Index
notierte bei Handelsschluss in Europa 0,7 Prozent höher, der Nasdaq Composite
stieg um 0,3 Prozent. Der Rekordstand beim Öl trieb die an der Börse in London schwer gewichteten Aktien von Ölkonzernen in die Höhe, so dass der britische Leitindex Footsie 1,7 Prozent zulegte. Die Aktien von BP, StatoilHydro und Total Fina Elf
stiegen zwischen 2,4 und 3,3 Prozent.
Autowerte bleiben unter Druck
Dagegen drückte das teure Öl weiter auf die Kurse bei Autoaktien. In Frankfurt büßten MAN
3,5 Prozent ein, und Daimler
gaben 1,5 Prozent ab. Am Wochenende hatte darüber hinaus die Branchenzeitschrift "Auto Motor und Sport" berichtet, die europäischen Autohersteller müssten sich auf bis zu 60 Prozent höhere Stahlpreise einstellen. Der weltgrößte Stahlkonzern ArcelorMittal kündigte demnach an, schon in den nächsten Wochen und Monaten die Preise in mehreren Schritten anzupassen.
"Wie wollen die Autohersteller diese Kostenbelastung angesichts der schwachen Nachfrage bloß weitergeben?", fragte ein Händler. Das Center Automotive Research (CAR) in Gelsenkirchen hatte seine Absatzprognose für Deutschland für das laufende Jahr wegen der hohen Benzinpreise von 3,3 auf 3,1 Millionen Autos gesenkt.
Gegen den Trend legten allerdings die Aktien von Volkswagen
und Continental
zu und setzten sich mit einem Plus von 2,4 beziehungsweise 2,3 Prozent an die Dax-Spitze. Händlern zufolge wirkten bei Continental die Gerüchte der Vorwoche nach, wonach ein Finanzinvestor bei dem Autozulieferer aus Hannover einsteigen will. "Bei VW sind deutliche Käufe drin, deshalb entwickeln die sich schon seit geraumer Zeit besser als die anderen Autowerte", sagte ein Börsianer.
Europaweit auf den Kaufzetteln der Anleger standen Telekommunikationswerte. Der Branchenindex DJ Telecom legte sechs Prozent zu. Nachdem die France Telecom
ihren milliardenschweren Übernahmeplan für den nordischen Konkurrenten TeliaSonera
aufgegeben hatte, verbuchten die Papiere des französischen Konzerns einen Kurssprung von mehr als sieben Prozent. "Die Aktien aus der Branche sind ein bisschen im Aufwind, weil es jetzt wohl doch keine aberwitzigen und überteuerten Übernahmen gibt", sagte ein Händler.
Vodafone-Aktien
stiegen in London um mehr als fünf Prozent, nachdem der Mobilfunkkonzern eine Zusammenarbeit mit dem Internetportal MySpace bekanntgegeben hatte.
mik/Reuters/dpa/Dow Jones
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