Wirtschaft



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03.07.2008
 

Preisabsprachen

Kartellwächter durchsuchen Büros von Kaffeeröstern

Razzia bei großen deutschen Röstkaffeeherstellern: Wegen des Verdachts auf illegale Preisabsprachen hat das Bundeskartellamt am Donnerstag Durchsuchungen bei mehreren Firmen vorgenommen - unter anderem bei den Branchengrößen Tchibo und Dallmayr.

Genauere Details wollen die Kartellwächter aus ermittlungstaktischen Gründen derzeit noch nicht nennen. Fest steht allerdings, dass auch Branchengrößen zu den betroffenen Unternehmen zählen. Namen nannte Behördensprecherin Silke Kaul nicht.

Tchibo-Werbeplakat: "Das Kartellamt stellt Fragen"
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Tchibo-Werbeplakat: "Das Kartellamt stellt Fragen"

Die Ermittlungen richteten sich gegen mehrere Hersteller von Röstkaffee, erklärte Kaul. Es gebe Anhaltspunkte für den Verdacht, dass es jedenfalls bis ins Jahr 2004 zurück zu Absprachen über Preise gekommen sein könnte. Das Kartellamt werde mit solchen Untersuchungen vor Ort nur dann tätig, wenn es bereits konkreten Verdacht gebe.

Der Münchener Kaffeeröster Dallmayr räumte inzwischen ein, von den Razzien betroffen gewesen zu sein. "Ja, es hat Hausdurchsuchungen gegeben - bei uns wie bei allen anderen großen Kaffeeröstern", sagte eine Sprecherin. "Wir arbeiten mit den Behörden voll und lückenlos zusammen, um die Vorwürfe aufzuklären", kündigte sie an. Sie betonte aber, dass Kaffee für die Verbraucher nach wie vor günstig sei. Es habe im Prinzip keine Inflation in diesem Segment in den vergangenen zehn Jahren gegeben.

Beim auch durch seine Kaffees bekannten Handelskonzern Tchibo wurden die Bonner Beamten ebenfalls vorstellig. Ein Tchibo-Sprecher sagte, das Kartellamt stelle Fragen. Tchibo unterstütze die Untersuchung. Die Hersteller Melitta oder Kraft (Jacobs-Kaffee) blieben von Besuchen verschont. Beim Hamburger Produzenten Darboven wurden die Wettbewerbshüter nach dessen Angaben ebenfalls nicht vorstellig.

Sollte sich der Kartellverdacht bestätigten, drohen den betroffenen Firmen empfindliche Strafen. Das Kartellamt kann ein Bußgeld von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes verhängen.

Die Kartellwächter haben in den vergangenen Monaten verstärkt den deutschen Lebensmittelmarkt ins Visier genommen. Sie hatten unter anderem Mehlproduzenten und Schokoladenhersteller durchsucht. Betroffen waren dabei unter anderem Kraft Foods und Nestle.

Es ist das erste Mal, dass die Kaffeebranche ins Visier der Wettbewerbshüter gerückt ist. In Kreisen der Kaffeeproduzenten hieß es, es habe in der Branche bereits Vermutungen gegeben, dass das Kartellamt auch die Röstereien ins Visier nehmen könnte. Da der Handel die Preise diktiere, seien diese immer wieder in Stufen angeglichen worden.

Preisabsprachen beim Kaffee hätten gravierende Folgen für die Verbraucher. Denn Kaffee ist nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbandes das meistkonsumierte Getränk in Deutschland noch vor Mineralwasser oder Bier. Durchschnittlich trinkt jeder Bundesbürger im Jahr 146 Liter Kaffee.

Der in Deutschland angebotene Kaffee wird laut Branchenverband fast komplett als Rohkaffee importiert und erst in der Bundesrepublik geröstet, entcoffeiniert oder in anderer Form verarbeitet. Lediglich aus Italien wurden im Vorjahr 15.500 Tonnen Röstkaffee nach Deutschland eingeführt. Auch für den europäischen und den Weltmarkt lieferte die deutsche Kaffeewirtschaft 2007 große Mengen in allen Verarbeitungsformen.

mik/Reuters/dpa/AP

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