Frankfurt am Main - Glaubt man der US-Bank Goldman Sachs, steht es um den europäischen Finanzsektor schlecht. Das renommierte Institut hat seine Prognose für insgesamt 40 Geldhäuser nach unten revidiert. Der Grund: Die europäischen Banken brauchen in diesem und im kommenden Jahr dringend frisches Kapital. Insgesamt beziffert Goldman Sachs
den Bedarf auf 60 bis 90 Milliarden Euro.
Finanzviertel in Frankfurt am Main: "Bankaktien sind nicht sehr populär"
An der Börse herrscht nun wieder Negativstimmung. Die Aktie der Deutschen Bank
verlor am Vormittag rund ein Prozent an Wert, Papiere der Commerzbank
verbilligten sich um zeitweise mehr als 1,5 Prozent, ebenso die Titel der Postbank
. "Bankaktien sind nicht sehr populär", sagte ein Händler. Auf europäischer Ebene zählten die britische Bank Barclays
und die spanische Banco Santander
mit Kursverlusten von über zwei Prozent zu den größten Verlierern.
Die Frage, die jetzt die Anleger umtreibt: Ist die Kreditkrise immer noch nicht vorbei?
Konkret heißt es in der Goldman-Studie: "Wir erwarten, dass die Unternehmen der Branche 60 Milliarden Euro an neuem Kapital aufnehmen müssen - oder ein Jahr lang keine Dividende zahlen können." Schlimmstenfalls könnten sogar Verluste anfallen "wie in den frühen neunziger Jahren". In diesem Fall habe der Bankensektor einen Kapitalbedarf von 90 Milliarden Euro.
Goldman-Analyst Christoffer Malmer schreibt, dass weitere Geldhäuser ihre Gewinnprognosen senken könnten. Er selbst habe seine Schätzungen für mehr als 40 europäische Banken reduziert und liege damit nun zwölf Prozent unter den Markterwartungen. Die Aktienkurse europäischer Banken dürften weiter unter Druck bleiben, erklärt Malmer.
Die Kommentare von Goldman zu einzelnen europäischen Banken fielen denn auch düster aus. Die Amerikaner senkten das Kursziel für die Titel der Deutschen Bank von 73 auf 66 Euro. Das Kursziel für die Schweizer Großbank UBS
wurde von 31 auf 25 Franken zurückgenommen. Bei der Postbank definiert Goldman das Kursziel nun mit 60,70 Euro - statt zuvor 64,70.
wal/Reuters/dpa-AFX
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles zum Thema Finanzkrise ab 2007 | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH