Wirtschaft



  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
09.07.2008
 

G-8-Gipfel

China und Indien verweigern Kooperation beim Klimaschutz

Die großen Schwellenländer versagen den Industrienationen die Gefolgschaft im Kampf gegen den Klimawandel. Beim Treffen mit der G-8-Gruppe machten China und Indien deutlich, dass sie vorerst keine Maßnahmen zur Drosselung der CO2-Emissionen ergreifen wollen.

Toyako - Mit der Rolle als Zaungast geben sich die großen Schwellenländer beim diesjährigen G-8-Gipfel in Japan nicht zufrieden. Im Gegenteil: Die Regierungschefs aus China, Indien, Brasilien, Südafrika und Mexiko, die sogenannte G-5-Gruppe, präsentierte sich vor den Treffen mit den G-8-Staaten mit eigenen Positionen.

Luftverschmutzung in Peking: Die Klimakrise kann ohne China und Indien kaum gelöst werden
Zur Großansicht
AFP

Luftverschmutzung in Peking: Die Klimakrise kann ohne China und Indien kaum gelöst werden

Beim Hauptthema Klima etwa wollen einige G-5-Mitglieder der offiziellen Gipfellinie nicht folgen. Zwar bekannten sich die Schwellenländer ebenso wie die G-8-Staaten zu einer "gemeinsamen Vision" für Maßnahmen gegen den Klimawandel. In einer veröffentlichten Stellungnahme hieß es, es seien "tiefe Einschnitte" beim globalen Ausstoß von Treibhausgasen nötig, um die Erderwärmung zu stoppen. Die Staatengruppe drang darauf, die Szenarien von Uno-Experten zum Klimawandel ernsthaft zu berücksichtigen. Diese sehen Einschnitte entweder zwischen 50 und 85 oder zwischen 30 und 60 Prozent bis zum Jahr 2050 vor.

China und Indien allerdings signalisierten einem hochrangigen Vertreter Frankreichs zufolge, dem von den G8 ausgegebenen Ziel einer Emissionsminderung um 50 Prozent derzeit noch nicht folgen zu wollen. Die beiden asiatischen Länder hätten sich lediglich bereit gezeigt, zu einem späteren Zeitpunkt Maßnahmen zur Drosselung des Treibhausgasausstoßes zu ergreifen. Das wiegt umso schwerer, da die Klimakrise ohne China und Indien kaum gelöst werden kann.

Zudem ermahnte die G5 die reichen Industrienationen, Handelsbarrieren und landwirtschaftliche Subventionen abzubauen. Ziel müsse die Schaffung eines "gerechten, offenen, vernünftigen und nicht diskriminierenden internationalen Handelssystems" sein, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung, die vor dem Treffen mit den Führern der G-8-Staaten USA, Deutschland, Kanada, Japan, Russland, Frankreich, Großbritannien und Italien veröffentlicht wurde.

Die Schwellenstaaten klagen über "protektionistische Verzerrungen", finanzielle Ungewissheiten und die steigenden Öl- und Getreidepreise. Besorgt äußerten sie sich auch über die Inflation. Um ein stabiles und transparenteres internationales Finanzsystem zu schaffen, müsse in der Entscheidungsfindung von Währungsfonds und Weltbank deutlich besser auf die Stimme der Entwicklungsländer gehört werden.

China fordert mehr Hungerhilfe

Der chinesischen Präsident Hu Jintao forderte überdies mehr Hilfe für die Leidtragenden der Welternährungskrise ein. Gleichzeitig wies er Aussagen zurück, wonach der wirtschaftliche Aufstieg einiger Entwicklungsländer und deren steigende Nachfrage für die Nahrungskrise verantwortlich sein sollen. "Das hat nichts mit den Fakten zu tun, auch ist es keine konstruktive Haltung, um das Problem zu lösen", sagte Hu Jintao nach Angaben der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua.

Bundeskanzlerin Angela Merkel zog dennoch eine positive Zwischenbilanz der im Vorjahr in Heiligendamm gestarteten engeren Dialogform mit den Schwellenländern. Dieser "Heiligendamm-Prozess" habe sich bewährt, die Partner seien sich seiner Bedeutung bewusst, sagte Merkel.

Der Gipfel in Toyako sei das geeignete Forum, um diesem Projekt noch mehr Schwung zu geben, hieß es weiter. Der "Heiligendamm-Prozess" war vor einem Jahr beim Gipfel in Deutschland aus der Taufe gehoben worden. Er stellt zum Teil auch eine Alternative zu immer wieder aufkommenden Forderungen nach einer Erweiterung der G8 um die größten aufstrebenden Schwellenländer.

suc/Reuters/dpa-AFX

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 307 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
14.07.2008 von tufta:

Zur Reduktion: Sie wollen doch nicht wirklich behaupten, dass bereits alle Einsparpotentiale genutzt worden sind? Oder ist Ihre Wohnung/Ihr Haus bereits zu einem Niedrigenergiehaus saniert worden? Nutzen Sie brav [...] mehr...

11.07.2008 von werner51:

Weil die Besteuerung des "Flugbenzins" unter Ökö-Sadismus fällt. "Ich fliege nicht durch die Gegend, also sollen die anderen auch zu Hause bleiben." ---Zitat--- Das einzig schöne an der ekelerregenden [...] mehr...

11.07.2008 von werner51:

An unserem deutschen Wesen muß die Welt genesen. Hat doch schon der Kaiser gesagt. Und da das mit der Wehrmacht - Gott sei Dank! - absolut nicht mehr möglich ist, machen wir jetzt auf Ökö-Glück. Es ist doch wunderschön, mit [...] mehr...

11.07.2008 von Zwiebel:

Polemik ohne Sinn und Ziel. Wollen Sie dafür sorgen, dass Ihre Kinder ihr Essen auf dem Feld anbauen und in Lehmhütten ohne Strom hausen müssen. Vielleicht fragen dann Ihre Kinder nicht nach dem Atommüll, aber sie träumen dann [...] mehr...

11.07.2008 von Zwiebel:

Löcher graben oder in Erdlöchern leben ist doch mehr was für AKW-Gegner. Tun Sie sich hier nur keinen Zwang an. Sie müssen einfach nach dem CO2-Ausstoss fragen oder noch einfacher: weniger PS, nur soviel Platz wie [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
alles zum Thema G-8-Gipfel in Japan 2008

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP