Berlin/Frankfurt - Es wäre eine Weltpremiere: Erstmals würde ein Finanzinvestor den Bau von Anlagen vor der deutschen Küste vorantreiben - und zwar gleich im großen Stil: Mit über einer Milliarde Euro wolle das Private-Equity-Haus Blackstone
in die geplante Windkraftanlage "Meerwind" einsteigen, sagten mit dem Vorhaben vertraute Personen aus der Finanzbranche und der Bundesregierung. Die Anlage befindet sich vor der Küste nordwestlich von Helgoland.
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Joachim Falkenhagen, Geschäftsführer der Berliner Windland Energieerzeugungs GmbH, die die Lizenz für den Bau hält, wollte den Einstieg Blackstones nicht bestätigen. Er sagte aber: "Wir stehen in Gesprächen mit Investoren und rechnen noch im Juli mit einem Abschluss." Blackstone lehnte einen Kommentar ab.
Das "Meerwind"-Projekt umfasst in einer ersten Pilotphase den Bau von 80 Windrädern bis 2012, die eine Leistung von bis zu 400 Megawatt haben. Das entspricht einem mittleren Kohlekraftwerksblock.
Durch den Blackstone-Einstieg würden die etablierten deutschen Energiekonzerne erstmals Konkurrenz im Ökostromgeschäft bekommen. An Pilotanlagen beteiligen sich bislang in erster Linie die großen Konzerne wie E.on
und Vattenfall Europe
. In der Ökostrombranche und der Regierung wird dies mit Argwohn beobachtet, da sich so das Oligopol der führenden Versorger in Deutschland verfestigt. Branchenvertreter sprachen daher von einem Durchbruch, für den Fall, dass erstmals ein großer Finanzinvestor in das Geschäft einsteigen würde.
Für die Beteiligungsfirma Blackstone, die zu den größten der Welt gehört und in Deutschland unter anderem an der Deutschen Telekom beteiligt ist, wäre die Windenergie ein neues Investitionsfeld.
Die Finanzkrise zwingt die Private-Equity-Häuser seit einiger Zeit dazu, nach neuen Anlageobjekten Ausschau zu halten, da sie für ihr klassisches Geschäft mit großen Firmenübernahmen keine Kredite mehr bekommen. Viele suchen ihr Heil daher in attraktiven Investments in Schwellenländern oder kaufen Minderheitsbeteiligungen. Auch Infrastruktur-Investitionen, etwa im Energiesektor gewinnen an Bedeutung, da sie stabile Einnahmen versprechen.
ssu/Reuters
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