Von Marc Pitzke, New York
New York - Das Chrysler Building war immer schon der heimliche Stolz der New Yorker. Zu seinem 75. Geburtstag vor drei Jahren wurde der Art-Deco-Wolkenkratzer von Branchenexperten zum schönsten Skyscraper Manhattans gekürt, noch weit vor seinem bekannteren Dauerrivalen, dem Empire State Building. Auch in Meinungsumfragen landet der Turm mit der markanten Stahlspitze regelmäßig vorne.
Ein Symbol amerikanischer Wertarbeit, als Denkmal an einen legendären Konzern: Kein Wunder, dass die, die es zerstören wollen, meist aus dem bösen Ausland stammen - oder erst gar nicht von dieser Welt. Zumindest sieht Hollywood das so: 1998 ließ es das Chrysler Building von einem Monster zerschmettern ("Godzilla"), einem Asteroiden ("Armageddon") oder wahlweise einer Kometenflutwelle ("Deep Impact"). Und Steven Spielberg versenkte es 2001 in seinem Außerirdischen-Melodrama "A.I. - Künstliche Intelligenz" auf dem Meeresboden.
Ist der Filmhorror nun wahr geworden? "Angriff auf die New Yorker Skyline", schlagzeilt jedenfalls das sonst so betuliche US-Polit-Magazin "Foreign Policy" schrill, daneben ein Foto der Stahlkrone des Chrysler Buildings.
In der Tat kommt dieser reale "Angriff" aus dem Ausland, ist aber, wie inzwischen fast alles in dieser Metropole des Mammons, rein finanzieller Art. Die Regierung des Emirats Abu Dhabi hat über ihren Investmentfonds ADIC 90 Prozent des Chrysler Buildings gekauft. Für 800 Millionen Dollar übernahm sie die Anteile des US-Immobilienkonzerns Tishman Speyer sowie der Münchener Investment-GmbH TMW. Die hatte zuvor 75 Prozent an dem Wahrzeichen gehalten - die Mehrheit wandert also nur von einem Auslandsinvestor zum anderen.
Und auch wenn Tishman in dem für kurze Zeit mal höchsten Gebäude der Erde weiter das Sagen hat, da es bis heute den Grund und Boden darunter kontrolliert: New York quittierte die Transaktion mit Irritation - und Sorge. Denn nach den Touristen, die seit vorigem Jahr in der Stadt im Dollar-Kaufrausch schwelgen, sind es nun offenbar internationale Megainvestoren beim Immobilien-Shopping, die den rezessionsbedrängten New Yorkern das Gefühl geben, eine Stadt im Ausverkauf zu sein - ein Ausverkauf, der selbst vor Ikonen wie dem Chrysler Building nicht halt macht.
Denn das ist nicht das erste Wahrzeichen Manhattans, das in Fremdbesitz überwechselt. Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit beißen sich steinreiche Auslandsinvestoren immer mehr Teile von der berühmten Skyline ab.
Etwa das weltberühmte Flatiron Building: Das "Bügeleisen"-Haus an der Kreuzung von Fifth Avenue, Broadway und 23rd Street, gehört seit kurzem mehrheitlich der italienischen Immobiliengruppe Sorgente. Sorgente-Chef Valter Mainetti bestätigte, er habe 95 Millionen Dollar gezahlt, um seine Minderheitsbeteiligung auf 53 Prozent aufzustocken. "Bei dem Dollarkurs war das sinnvoll", sagte er dem "Time"-Magazin.
Bereits im Mai wurde das General Motors Building verkauft, jener schlanke Gigant an der Fifth Avenue, Ecke Central Park. Bekannt durch den gläsernen Apple Store zu seinen Füßen, ging der 50-stöckige Skyscraper im Paket mit drei weiteren Wolkenkratzern für 3,1 Milliarden Dollar an ein internationales Konsortium, das von Staatsfonds aus Qatar und Kuweit maßgeblich mitfinanziert wird.
Schon im Winter willigte der Tabakkonzern Altria (Philip Morris) ein, sein Hauptquartier an der Park Avenue für 525 Millionen Dollar abzustoßen. Seit April ist es offiziell: Der Achtziger-Jahre-Koloss mit seinem enormen Atrium schräg gegenüber der Grand Central Station gehört nun dem israelisch-britischen Investor Eyal Ofer.
Das markante Lipstick Building, ein gläserner ovaler Turm des Stararchitekten Philip Johnson an der Third Avenue, ging derweil für 607 Millionen Dollar an den Israeli Haim Revah und seine Investmentgruppe Metropolitan Real Estate Investors. Mitteilhaber ist neuerdings auch der argentinische Immobilienkonzern IRSA.
Nicht weit davon besitzen die deutschstämmigen Investoren Aby Rosen und Michael Fuchs über ihre Immobiliengesellschaft RFR gleich zwei ikonische Manhattan-Gebäude: das 1958 von Ludwig Mies van der Rohe entworfene Seagram Building sowie das Lever House, das 1952 die gläserne Architekturära der "International Skyscrapers" krönte.
Neue Wohnungen für Millionäre
Schon seit 2005 liegt das alte Nobelhotel Essex House am Central Park im Fundus der staatlichen Jumeirah Group aus Dubai. Seitdem heißt es Jumeirah Essex House.
Wenige Schritte weiter hat gerade das weitgehend zu Luxusapartments umgebaute Plaza Hotel neu eröffnet - unter Federführung der israelischen Immobiliengesellschaft ElAd. ElAd kaufte auch ein Citigroup-Gebäude an der Südspitze Manhattans - und reichte es kurz darauf an ein russisches Konsortium weiter. Außerdem besitzt ElAd in Manhattan unter anderem das historische Kaufhaus O'Neill an der Sixth Avenue, das ebenfalls gerade in eine Dependance für Millionäre umgewandelt wird.
Das denkmalgeschützte Helmsley Building an der Park Avenue, dessen Stuckspitze sich als Fotomotiv für Millionen Touristen in den Schatten des früheren Pan-Am-Wolkenkratzers duckt, gehörte eine Zeitlang einem weiteren Investmentfonds aus Dubai, Istithmar. Der verkaufte es jedoch Ende vorigen Jahres schon wieder für 1,1 Milliarden Dollar an Goldman Sachs und an die US-Immobiliengruppe Monday Properties. Die neuen Eigentümer renovieren es jetzt für 50 Millionen Dollar - für so feine Auslandsmieter wie die Tokio Marine Fire & Insurance aus Hongkong und die schleswig-holsteinische HSH Nordbank.
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