Frankfurt am Main - Als Grund nannten Börsenhändler die wachsende Sorge um die US-Wirtschaft und ihren Finanzmarktsektor. Die europäische Gemeinschaftswährung hatte erstmals im April die 1,60-Dollar-Marke übersprungen und bei 1,6019 Dollar einen neuen historischen Höchststand erreicht.
Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main: Exportwirtschaft in Nöten
Die Krisenmeldungen aus den USA haben auch die Anleger am deutschen Aktienmarkt verschreckt. Der Dax fiel im frühen Geschäft zeitweise auf 6095 Punkte - und notierte damit so niedrig wie zuletzt im Oktober 2006.
Experten befürchten bereits, dass der Index schon bald unter 6000 Punkte fallen könnte. Aus technischer Sicht könnte der Fall unter das Tief vom Freitag einen Test der psychologisch wichtigen Marke auslösen, meinen Analysten. Was eine denkbare Aufwärtsentwicklung betrifft, herrscht ebenfalls Skepsis. Allenfalls 6300 Punkte halten die Analysten in der derzeitigen Stimmungslage für denkbar.
Vom Abwärtssog erfasst wurde aber nicht nur der Dax. Auch der MDax gab um 2,0 Prozent auf 8219 Punkte nach. Der TecDax büßte ebenfalls knapp 2,0 Prozent auf 695 Zähler ein.
Ursache für die Ausverkaufsstimmung waren die schwachen Vorgaben von den US-Börsen und den asiatischen Märkten. In den USA hatte das von der Bush-Administration und der US-Notenbank geschnürte Hilfspaket für die beiden Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac keine positiven Impulse entfalten können und eher im Gegenteil dazu geführt, dass den Akteuren die Ernsthaftigkeit der Finanzkrise noch einmal ins Bewusstsein gerückt wurde.
Die US-Börsen an der New Yorker Wall Street hatten am Montag nach einem freundlichen Handelsstart im Verlauf ins Minus gedreht und letztlich etwas leichter geschlossen. Der Dow-Jones-Index für 30 Industriewerte verlor 0,4 Prozent auf 11.055 Punkte. Der Nasdaq-Composite gab 1,2 Prozent auf 2213 Zähler ab. Die Hypothekenkrise sei wieder allgegenwärtig, hieß es im Handel.
Die lange Liste der Verlierer führten Papiere der Deutsche Börse an, die 4,3 Prozent auf 63,84 Euro sanken. Deutsche-Bank-Aktien verloren 3,3 Prozent auf 50,50 Euro. Die übrigen Finanzwerte gaben mehr als zwei Prozent ab.
Im MDax verbilligten sich Hochtief um 6,8 Prozent auf 54,35 Euro. Tognum gaben 4,0 Prozent auf 13,80 Euro ab und Hugo Boss 3,5 Prozent auf 22,31 Euro. Salzgitter verloren 3,0 Prozent auf 101,43 Euro, nachdem das Unternehmen eine Beteiligung von 5,8 Prozent an der Norddeutschen Affinerie bekannt gegeben hatte. Einzig im Plus standen AMB Generali, die 0,6 Prozent auf 114,00 Euro gewannen.
Im TecDax stürzten Wirecard 15,7 Prozent auf 5,75 Euro ab. Conergy setzten ihren Abwärtstrend fort und verloren 8,0 Prozent auf 10,14 Euro. Fester tendierten hingegen Singulus, die 1,2 Prozent auf 7,10 Euro anzogen.
Impulse für das Handelsgeschehen in Deutschland könnten im Lauf des Tages von neuen Konjunkturdaten kommen. Auf der Liste stehen außer dem deutschen ZEW-Index unter anderem die Einzelhandelsumsätze und Erzeugerpreise aus den USA. Am Nachmittag spricht außerdem US-Notenbankchef Ben Bernanke vor dem Bankenausschuss des Senats.
mik/Reuters/ddp/dpa-AFX/AFP
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels wurde mit Verweis auf die Nachrichtenagentur AFP berichtet, der Euro koste erstmals mehr als 1,60 Dollar. Tatsächlich hatte die Währung schon im April kurzzeitig diese Marke übersprungen. Die Nachrichtenagentur und SPIEGEL ONLINE haben diesen Fehler korrigiert.
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