Von Hasnain Kazim
Die "Otto Hahn" war das einzige deutsche Schiff, das jemals mit Nuklearantrieb zur See fuhr. Das in Kiel gebaute und 1968 offiziell in Betrieb genommene Forschungsschiff legte bis 1979 insgesamt 650.000 Seemeilen zurück - und diente nebenbei als Erzfrachter.
Bis auf einige russische Eisbrecher, den amerikanischen Frachter "Savannah", das japanische Handelsschiff "Mutsu" und eben die "Otto Hahn" haben Atomreaktoren nur auf militärischen Schiffen Verwendung gefunden: auf Flugzeugträgern und in U-Booten. An Bord wird in Druckwasserreaktoren Dampf erzeugt, eine Dampfturbine treibt dann den Propeller an.
Der erste Flugzeugträger mit Atomantrieb war die 1961 in Dienst gestellte "USS Enterprise" mit acht Reaktoren. Die heutigen US-Träger der Nimitz-Klasse - die größten der Welt - haben noch zwei Meiler. Frankreich stellte 2001 mit dem Flugzeugträger "Charles de Gaulle" das erste europäische nuklearbetriebene Kriegsschiff offiziell in Dienst, das allerdings mit fortwährenden Technikproblemen zu kämpfen hat. Bei der französischen Marine heißt es nun, so ein Schiff würde man heute, nach den bisherigen Erfahrung, nicht wieder bauen.
Großbritannien plant bis 2016 den Bau von zwei neuen Flugzeugträgern der sogenannten Queen-Elizabeth-Klasse - die größten, die jemals außerhalb der USA gebaut wurden. Doch das Verteidigungsministerium in London hat die Konsequenzen aus den Erfahrungen anderer Länder gezogen: Die britische Regierung hat sich gegen einen Kernenergieantrieb entschieden. Die beiden Riesen sollen nun mit Gasturbinen und Dieselgeneratoren betrieben werden.
Schiffsexperten sagen dem Atomantrieb keine Zukunft voraus: Wegen der Strahlung ist eine komplexe Abschirmung erforderlich, die Umweltbelastung durch den Atommüll ein ungelöstes Problem. Zu groß, zu kostspielig und, vor allem, im Fall einer Havarie viel zu gefährlich, lautet das Urteil der Experten.
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