Von Marc Pitzke, New York
Die politisch Verantwortlichen sehen es nicht anders: New Yorks Bürgermeister Mike Bloomberg und David Paterson, der Gouverneur des Bundesstaates, haben Alarm geschlagen. Bloomberg verhängte sofort eine kommunale Ausgabensperre. "Die Lücken sind einfach zu groß", klagte er. Für das Jahr 2010 prophezeit Bloomberg ein Defizit von 2,3 Milliarden Dollar, für 2011 werden es 5,2 Milliarden Dollar sein und 2012 liegt der Wert bei 5,1 Milliarden Dollar. Dabei rechnet Bloomberg noch konservativ. Die finanzielle Erblast freilich überlässt er seinem Nachfolger.
Während sich die Ökonomen landesweit noch streiten, ob eine Rezession herrsche, hat Gouverneur Paterson daran keinen Zweifel: Paterson schätzt, dass die Wall-Street-Bezüge dieses Jahr um 20 Prozent schrumpfen werden - und dass das den Staat fast zwei Milliarden Dollar an Steuereinnahmen kosten könnte. Der Gouverneur hielt jüngst eine Fernsehansprache. Bei dieser Gelegenheit kündigte er an, staatliche Straßen, Brücken und Tunnel womöglich an Investoren abzugeben, um die leeren Kassen aufzufüllen.
Äußerlich ist das der Stadt kaum anzumerken. Überall wird gebaut. Doch vieler dieser neuen Retorten-Wolkenkratzer sind mit ausländischem Geld finanziert, vor allem aus dem Nahen Osten. Andere Großprojekte stürzen in die Krise. Etwa die Neubebauung von Ground Zero: Die hinkt inzwischen, wie die Behörden jetzt zugeben mussten, um Jahre hinter dem Plan hinterher - und wird mehrere Milliarden Dollar teurer als erwartet. Dann verabschiedete sich aus Finanznot auch noch der Hauptpächter, die Investmentbank Merrill Lynch - womit sich das Defizit noch vergrößerte.
New Yorks Immobilienmarkt, lange immun gegen die Krise, "kühlt sich langsam ab", warnt Bloomberg. Die Grundsteuereinnahmen für Gewerbeimmobilien sind im ersten Halbjahr 2008 um die Hälfte zurückgegangen. Eigentumswohnungen lassen sich nur noch schwierig verkaufen. Und es geht weiter abwärts. Bill Staniford, Chef der Immobilien-Website PropertyShark.com, rechnet damit, dass die Immobilienpreise in Manhattan nächstes Jahr um bis zu 20 Prozent einbrechen könnten.
Und so macht die Krise einstige Helden zu Aussätzigen. Gestern waren die Börsianer noch heiß umworbene Kunden - fast ein Drittel der New Yorker Immobilien gingen bisher an Wall-Street-Klienten. Heute rümpfen Hypothekenbanken, Makler und Eigentümerversammlungen die Nase über die gestürzten "Masters of the Universe", denen plötzlich die Kreditwürdigkeit abhanden gekommen ist.
"Fast über Nacht", schreibt das Luxusmagazin "Trader Monthly", "sind Investmentbanker von Manhattans aggressivsten Wohnungskäufern zu Parias geworden".
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