Wirtschaft



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08.08.2008
 

Lehren aus der Wirtschaftskrise

"Manager müssen ihren Stil überdenken"

Bankenkrise und hohe Energiekosten erschüttern die Weltwirtschaft. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview sagt Burkhard Schwenker, Chef der Unternehmensberatung Roland Berger, warum deutsche Firmen trotzdem von der Krise profitieren können - und wieso er vor Barack Obama warnt.

SPIEGEL ONLINE: Herr Schwenker, im November wählen die USA einen neuen Präsidenten. Wer ist Ihr Favorit: Barack Obama oder John McCain?

Schwenker: Ich drücke eher McCain die Daumen.

SPIEGEL ONLINE: Warum?

Schwenker: Er ist aus Sicht der deutschen Wirtschaft die bessere Alternative. Wenn ich es richtig interpretiere, tendiert Obama dazu, den Freihandel einzuschränken, um Arbeitsplätze in Amerika zu sichern. Für die hiesigen Exportunternehmen sind das keine guten Aussichten. McCain scheint in diesem Punkt liberaler. Unter anderem deswegen halte ich ihn für den besseren Kandidaten.

SPIEGEL ONLINE: Die USA stehen seit rund einem Jahr unter dem Eindruck der Finanz- und Immobilienkrise, die weltweit die Märkte erschüttert. Haben wir das Schlimmste schon hinter uns oder drohen neue Hiobsbotschaften?

Schwenker: Welche Risiken noch in den Büchern der Finanzkonzerne schlummern, wissen höchstens die Unternehmen selbst. Seriöse Prognosen sagen allerdings: Ein Ende der Krise ist noch nicht in Sicht. Auf jeden Fall stecken die USA in einer Rezession, das lässt sich nicht mehr leugnen.

SPIEGEL ONLINE: Bislang waren die USA die globale Wirtschaftsmacht Nummer eins. Die aktuelle Krise zeigt dagegen das Bild einer angeschlagenen Nation. Müssen wir unser Bild von den USA als Taktgeber der Globalökonomie revidieren?

Schwenker: Es sind ja nicht nur US-Unternehmen in den Strudel der Finanzmisere geraten. Allerdings war das Image der USA als Wirtschaftsstandort schon immer besser, als es die tatsächliche Lage hergab. So haben die Wachstumsraten viele Jahre lang Schwächen wie etwa das Außenhandelsdefizit kaschiert. Jetzt gleichen sich Eindruck und Realität offenbar an. Für europäische Unternehmen ist das eine historische Chance.

SPIEGEL ONLINE: Inwiefern?

Schwenker: Durch die Schieflage der US-Wirtschaft bestätigt sich einmal mehr, dass europäische Firmen besser sind als ihr Ruf. Unter den 50 größten Unternehmen der Welt gab es vor fünf Jahren noch 25 US-Unternehmen. Jetzt sind es noch 17. Die Europäer haben im gleichen Zeitraum stark zugelegt. Diese Entwicklung dürfte sich fortsetzen.

SPIEGEL ONLINE: Wovon profitieren die Europäer?

Schwenker: In einer globalisierten Wirtschaft ist der Umgang mit Vielfalt ein entscheidender Faktor. Durch den fragmentierten europäischen Binnenmarkt mussten sich die Unternehmen hier schon früh auf Vielfalt einstellen. Sie wurden quasi zur Kreativität gezwungen. US-Unternehmen haben ihre Geschäfte dagegen vornehmlich in ihrer Heimat getätigt. Wir dürfen nicht vergessen: Die größten US-Konzerne machen immer noch 80 Prozent ihres Umsatzes in den Vereinigten Staaten. Dieser Heimatmarktfokus bereitet ihnen nun Probleme.

SPIEGEL ONLINE: Müssen sich deutsche Manager angesichts des Absturzes der US-Wirtschaft neu orientieren? Auch beim Führungsstil galt Amerika vielen Unternehmenslenkern als Vorbild.

Schwenker: Diese Neuorientierung findet statt. In Europa wird intensiv über eine Unternehmensführung mit eigenem Charakter diskutiert. Noch vor zehn Jahren wäre das undenkbar gewesen. Die laufende Entmystifizierung der amerikanischen Unternehmen und die Abstürze an der Wall Street haben den Prozess beschleunigt. Jetzt nimmt der europäische Managementstil Form an.

SPIEGEL ONLINE: Wodurch unterscheidet sich ein europäischer Manager von seinem US-Pendant?

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