Wirtschaft


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Lehren aus der Wirtschaftskrise "Manager müssen ihren Stil überdenken"

2. Teil: Rohstoffzufuhr wird zur Überlebensfrage für Unternehmen

Schwenker: Ein guter europäischer Manager folgt eher langfristigeren Zielen, ist unternehmerischer, weniger finanzorientiert. Er ist stärker in seinem sozialen Umfeld verankert und diskutiert Veränderungen im Unternehmen intensiver mit den Angestellten. Der Umgang mit anderen Kulturen fällt ihm oft leichter.

SPIEGEL ONLINE: Teile des deutschen Managements können auch noch etwas lernen. Skandale bei Volkswagen, der Telekom und bei Siemens haben gezeigt, dass auch Unternehmensführer hierzulande sich der Gesellschaft nicht verantwortlich fühlen.

Schwenker: Das lasse ich so nicht stehen. Im Wettbewerbsfähigkeitsindex des World Economic Forum hat Deutschland gegenüber dem Vorjahr zuletzt zwei Plätze auf Rang fünf gutgemacht. Deutsche Manager sind also erfolgreich! Aber auch deutsche Unternehmenslenker müssen ihren Stil überdenken. Je unsicherer die Zeiten sind, desto mehr wird Führen eine persönliche Angelegenheit. Menschen brauchen ein gewisses Maß an Sicherheit, um erfolgreich zu arbeiten. Und diese Sicherheit lässt sich nur durch persönliche Werte, wie Verlässlichkeit, Integrität und wenn man sich um die Menschen sorgt, vermitteln.

SPIEGEL ONLINE: Das klingt so, als seien Sie ein Freund der Familienunternehmen. Im Gegensatz zu börsennotierten Großkonzernen arbeiten viele Verantwortliche dort schon heute oft nach diesen Prinzipien.

Schwenker: Auch in Familienunternehmen arbeiten oft angestellte Manager. Übrigens warne ich vor übertriebener Euphorie. Natürlich gibt es Studien, denen zufolge vom Eigentümer gesteuerte Firmen schneller wachsen als Börsenunternehmen. Das gilt aber nur für die Mittelfristperspektive. Langfristig betrachtet erzielen Großkonzerne höhere Wachstumsraten. Zudem sind sie international oft besser aufgestellt: 70 Prozent ihrer Mitarbeiter arbeiten im Ausland, bei Familienunternehmen ist das Verhältnis meist umgekehrt. Es gibt hier noch einiges zu tun, bis diese Firmen international wirklich verankert sind.

SPIEGEL ONLINE: Dennoch trumpfen Familienunternehmen derzeit auf: Schaeffler plant den Einstieg bei Conti. Auch bei Porsche und Metro sind Eigentümerfamilien aktiv und erhöhen ihren Einfluss. Werden wir in Zukunft ähnliche Fälle sehen?

Schwenker: Wahrscheinlich - und besonders dann, wenn Gewinne der vergangenen Jahre die Kriegskasse gefüllt haben. Viele Konzerne im Dax sind derzeit unterbewertet. Entsprechend günstig können Investoren bei Börsenunternehmen einsteigen.

SPIEGEL ONLINE: Stehen wir vor einer Übernahmewelle?

Schwenker: Davon gehe ich aus, und ich begrüße es sehr. Die Finanzkrise hat Käufern aus der Private-Equity-Branche das Geschäft erschwert. Dadurch sind die Preisaufschläge bei Übernahmen gesunken. Das bringt strategische Investoren wieder in eine bessere Position, denn die Firmen können so wieder durch Übernahmen wachsen. Vor allem strategische Investoren aus Europa profitieren auch noch vom teuren Euro. Die Bewertungsdifferenzen zwischen Euro und Dollar vergrößern die Spielräume bei Übernahmen in den USA.

SPIEGEL ONLINE: Fragt sich nur, wie lange deutsche oder europäische Unternehmen noch in Übernahmelaune sind. Schon warnen Experten vor einem Abschwung. Vor allem der hohe Ölpreis bremst die Konzerne aus.

Schwenker: Das ist ein echtes Problem - nicht nur beim Öl. Viele Unternehmen bereiten sich auf die nächste Effizienzrunde vor, um die steigenden Rohstoffkosten zu kompensieren. Darüber hinaus ergeben sich völlig neue strategische Fragen.

SPIEGEL ONLINE: Zum Beispiel?

Schwenker: Die Sicherung der Rohstoffzufuhr wird für die Firmen häufig zur Überlebensfrage. Noch in den vergangenen Jahren ging der Trend dahin, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. Jetzt denken Unternehmen wieder darüber nach, zu diversifizieren oder sich etwa an ihren Rohstofflieferanten zu beteiligen. Der Zugang zu Ressourcen steht ganz oben auf der Agenda. Dabei geht es auch um eine Neudefinition der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Politik.

SPIEGEL ONLINE: Sie plädieren für mehr Einfluss der Politik auf das Wirtschaftsgeschehen?

Schwenker: Natürlich nicht, aber ich plädiere für eine engere Zusammenarbeit, wenn es um das Sichern von Rohstoffquellen geht. Es ist bekannt, dass beispielsweise China in diesem Bereich weltweit sehr aktiv ist. Darauf müssen wir eine Antwort finden. Das aber kann ein einzelnes Unternehmen nicht leisten, dazu braucht die Wirtschaft politische Unterstützung. Beispielsweise durch die Förderung regionaler sozialer Hilfsprogramme, die an wirtschaftliche Kooperationen gekoppelt werden.

Das Interview führten Jörn Sucher und Anselm Waldermann

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