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25.08.2008
 

IT-Unternehmen

Erfolgreich mit Autisten

Von Friederike Ott, Kopenhagen

2. Teil: Kunden erwarten "Rain Man"

Manchmal ist es schwierig, Kunden davon zu überzeugen, dass Autisten eine Arbeit besser erledigen können als gewöhnliche Mitarbeiter. "Sie glauben, dass Behinderte einen billigen Job machen können, aber eben nicht so gut", sagt der Gründer. "Meine Geschäftspartner haben oft den Film 'Rain Man' gesehen. Sie sind dann verwundert, wenn ich sage, dass wir die Aufgabe besser erledigen können, gerade weil unsere Mitarbeiter behindert sind."

Andere wiederum denken, Sonne stelle Autisten nur aus Marketinggründen ein, um nach außen sozial zu wirken. "Ich will Menschen mit einem autistischen Spektrum eine Zukunft geben", weist der Specialisterne-Chef derlei Vorwürfe zurück. Aber natürlich möchte er mit der Geschäftsidee auch Geld verdienen. "Da sind Menschen mit bestimmten Fähigkeiten und ein Unternehmenssektor, der genau diese Fähigkeiten braucht. Warum soll man das nicht verbinden?"

Einige namhafte Kunden hat Specialisterne bereits. Microsoft, der schwedische Finanzdienstleister Nordea und Dänemarks größtes Telekommunikationsunternehmen TDC gehören dazu. GlobalConnect hat sich noch nicht endgültig dafür entschieden, mit Specialisterne zusammenzuarbeiten. Seit Anfang Mai läuft die Testphase.

Doch Eddy Krage von GlobalConnect ist von der Zusammenarbeit mit dem Autisten Christian Jensen bereits begeistert: "Er würde nie ein Kabel falsch beschriften. Das würde ihm sofort auffallen", sagt er. Jensen hat den Auftraggeber außerdem mit immer neuen Verbesserungsvorschlägen und Lösungsansätzen überzeugt. "Autisten sind definitiv ein Potential, das noch viel zu selten genutzt wird", resümiert Krage.

Tatsächlich hatte der Manager lange Schwierigkeiten, die richtigen Leute für den Job zu finden. "Die Abläufe wiederholen sich ständig, dennoch braucht es Detailgenauigkeit", sagt Krage. Bevor er mit Specialisterne zusammenarbeitete, hatte er Leute, die nicht wirklich motiviert waren und die Aufgabe als unbeliebte Pflicht empfanden. Autisten seien hingegen viel motivierter und könnten den Job genauso schnell, wenn nicht schneller erledigen, als Nicht-Autisten.

Doch nicht alle Autisten eignen sich wie Jensen für einen Job bei Specialisterne. Rund die Hälfte der Bewerber muss Sonne ablehnen. Anfangs fiel ihm das schwer. "In jedem einzelnen Bewerber sah ich meinen eigenen Sohn", erzählt er. Mittlerweile trifft Sonne deshalb keine Personalentscheidungen mehr. Das übernehmen jetzt Manager und die pädagogischen Berater.

Die bekommen demnächst möglicherweise mehr zu tun. Aus 33 Ländern hat Sonne bereits Anfragen von Betroffenen. Wann er mit Specialisterne in ihr Land komme, wollen sie wissen. Bislang gibt es wenig vergleichbare Einrichtungen in anderen Staaten. In den Niederlanden existiert ein vergleichbares Unternehmen namens Autest, in Schweden heißt das Pendant Left is Right. Die skandinavischen Nachbarn holten sich sogar Rat bei Sonne.

Der plant bereits mit Hochdruck eine Dependance in Großbritannien. "Wir sind schon sehr weit mit dem Projekt. Da werden wir als nächstes hingehen", sagt der Entrepreneur. Besonders in Deutschland sieht er großen Bedarf. In welcher Stadt er einen Ableger für möglich hält, kann er noch nicht sagen. Es kommt darauf an, wo der erste große Kunde sitzt: "Wenn es Siemens ist, gehen wir nach München. Wenn es Vodafone ist, nach Düsseldorf."

Zudem plant er Niederlassungen in Schweden, den USA, Australien und sogar Indien. "Ich könnte mir vorstellen, eine Art soziales Franchise zu gründen. Wir haben die Erfahrung, aber brauchen lokale Geschäftsleute, die unser Modell in ihrem Land umsetzen."

Manche Betroffene können es kaum erwarten. Einige Dutzend wollten sogar nach Dänemark ziehen, um für Specialisterne zu arbeiten. "Aber Menschen mit Autismus tut es nicht gut, das gewohnte Umfeld zu verlassen", seufzt er. Und so musste er den Interessenten leider sagen, dass sie warten müssen.

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