Osnabrück - Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat die Unternehmen in Deutschland eindringlich aufgefordert, stärker auf die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer über 54 Jahren zu setzen. In einem Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte sie, angesichts des aufziehenden Fachkräftemangels müsse es "alarmieren, dass offenbar noch viel zu viele deutsche Betriebe beim Thema altersgerechte Arbeitsbedingungen Scheuklappen aufhaben."
Eine von ihr in Auftrag gegebenen Studie der Unternehmensberatung Prognos zeigt dem Blatt zufolge, dass die Unternehmen in Deutschland nur unzureichend auf die demografische Entwicklung eingestellt sind und sich verstärkt um ältere Arbeitnehmer bemühen sollten. Die verstärkte Beschäftigung älterer Arbeitnehmer hätte auch betriebswirtschaftliche Vorteile, heißt es in der Untersuchung mit dem Titel "Erfahrung rechnet sich". Sie basiert auf zahlreichen Fallbeispielen aus der deutschen Wirtschaft.
Immerhin: Laut der Studie liegt die Beschäftigungsquote der 55- bis 64-Jährigen in Deutschland mit 51,5 Prozent über dem EU-Durchschnitt von 44,7 Prozent. Ländern wie Schweden (70 Prozent), Norwegen (69 Prozent), Dänemark (59 Prozent) oder Großbritannien (57 Prozent) gelinge es dennoch "weitaus besser, das Potential älterer Arbeitnehmer zu nutzen".
Von der Leyen sagt, es passe nicht zusammen, dass Deutschland eine der am schnellsten alternden Bevölkerungen der Welt habe, aber bei der Beschäftigungsquote der 55- bis 64-Jährigen nur Mittelmaß sei. "Hier müssen wir schnell von Ländern lernen, in denen man ältere Arbeitskräfte wegen ihres großen Erfahrungswissens, ihrer Disziplin und Präzision hoch schätzt und so lange wie möglich im Unternehmen hält". Wenn die "auf anderen Gebieten so flexiblen und erfolgreichen deutschen Unternehmen nicht mittelfristig zu Getriebenen des internationalen Wettbewerbs" werden wollten, "müssen sie heute umdenken und die enormen Ressourcen der Generation jenseits der 60 erschließen", mahnte die CDU-Politikerin.
ase/ddp
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