Hamburg/London - Der Preis für Rohöl ist am Freitag auf gut 111 Dollar pro Barrel (159 Liter) gesunken - Anfang Juli stand er noch bei annähernd 150 Dollar.
Auswirkungen auf den Benzinpreis hat das kaum: Der steigt und steigt und steigt. Zu Wochenende müssen Verbraucher erneut etwa zwei Cent mehr für einen Liter Treibstoff zahlen. Nach Angaben aus der Mineralölbranche kostet Super im bundesweiten Durchschnitt rund 1,47 Euro, Diesel knapp 1,39 Euro.
Tankender Autofahrer: Fast zwei Cent mehr für Treibstoff
"In Euro sind die Einkaufskosten für Benzin und Rohöl seit einer Woche konstant", sagte MWV-Hauptgeschäftsführer Klaus Picard. Da die Benzinpreise aufgrund der Wettbewerbssituation an den Tankstellen täglich gesenkt würden, sei gelegentlich ein Anstieg nötig.
Ein Barrel Rohöl kostete am Freitagmittag im elektronischen Handel etwas über 113 Dollar, fast zwei Dollar weniger als am Vortag. "Sorgen vor einer Konjunkturabkühlung in den USA, Europa und auch Japan belasten den Ölmarkt", sagte Energie-Analyst Victor Shum.
Die Wirtschaft in Deutschland, Frankreich und Japan war im zweiten Quartal geschrumpft. Auch Japan meldete in dieser Woche einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes. Schwächt sich die Konjunktur ab, sinkt in der Regel auch der Ölverbrauch. Nach Einschätzung der US-Energieinformationsbehörde wird die Nachfrage nach Rohölprodukten in den Vereinigten Staaten, die ebenfalls unter der Konjunkturabschwächung leiden, weiter zurückgehen.
Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) hat ihre Prognose für die weltweite Öl-Nachfrage im Jahr 2008 inzwischen sogar reduziert. Die Förderung sei mehr als angemessen, schreibt die Opec in ihrem am Freitag vorgelegten Monatsbericht. Insgesamt dürfte sich das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage komfortabler entwickeln.
Die Ölnachfrage wird nach Einschätzung der Opec im Jahr 2008 um eine Millionen Barrel je Tag wachsen. Das sind 30.000 Barrel pro Tag weniger als in der vorherigen Vorhersage. Für das kommende Jahr erwartet die Opec weiterhin ein Wachstum der Nachfrage nach Opec-Öl um 900.000 Barrel pro Tag.
Weiterer Grund für den sinkenden Ölpreis ist der anziehende Dollarkurs. "Nach dem Anstieg des Dollarkurses gegenüber Euro und Yen sind die Preise für Öl und andere Rohstoffe gesunken", erläuterte Shum. In der Vergangenheit hatten Investoren angesichts des schwachen Dollars verstärkt auf Rohstoffe gesetzt, was den Preisanstieg zusätzlich anheizte.
Mittlerweile ist der Dollar wieder gestiegen und der Euro hat sich deutlich von seinem Höchststand Mitte Juli entfernt. Die Gemeinschaftswährung notierte am Freitagvormittag bei gut 1,47 Dollar. Vor vier Wochen lag der Euro noch bei gut 1,60 Dollar.
ssu/AP/dpa/Reuters
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