Wirtschaft



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26.08.2008
 

Arbeitsmarkt

Löhne im Niedriglohnsektor stürzen ab

Die Einkommensschere in Deutschland klafft auseinander: Einer neuen Studie zufolge sind die Realeinkommen von Geringverdienern binnen zehn Jahren um fast 14 Prozent gesunken - die der Reicheren um bis zu zehn Prozent gestiegen.

Frankfurt am Main - Die Lohnkluft wächst offenbar weiter: Einer neuen Studie zufolge sind die Realeinkommen eines Viertels der Arbeitnehmer zwischen 1995 und 2006 erheblich gesunken. Im Niedriglohnsektor stürzten die Löhne um bis zu 14 Prozent ab, berichten Forscher der Uni Duisburg-Essen in einer Analyse für die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stifung, die der "Frankfurter Rundschau" vorliegt.

Straßenkehrer bei der Arbeit: Zu den Verlieren gehören auch Geringverdiener mit Vollzeitstelle
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AP

Straßenkehrer bei der Arbeit: Zu den Verlieren gehören auch Geringverdiener mit Vollzeitstelle

Zu den Verlierern gehörten nicht nur Minijobber und Teilzeitkräfte, sondern auch Geringverdiener mit Vollzeitstelle. Die Niedriglöhne sind laut Studie sogar im jüngsten Konjunkturaufschwung geschrumpft - in Ostdeutschland um bis zu zehn Prozent. Angesichts solcher Werte werde einem "angst und bange", zitiert die Zeitung einen Soziologieprofessor. Schließlich dürfte sich dieser Trend im nun drohenden Abschwung noch verschlimmern.

Die Realeinkommen von Besserverdienenden seien dagegen deutlich gestiegen. Besonders gut schneiden in diesem Sektor Angestellte ab, die eine volle Stelle haben, berichten die Wissenschaftler. Ihre Einkünfte seien real um über zehn Prozent gewachsen. Das oberste Viertel der Beschäftigten habe ein reales Lohnplus von 3,5 Prozent verbucht.

Die Forscher gehen davon aus, dass sich der Trend zu einer stärkeren Lohnspreizung seit 2006 nicht umgekehrt hat. Zwar seien in jüngster Zeit einige gute Tarifabschlüsse vereinbart worden. Im Niedriglohnsektor dürfte es aber allenfalls geringe Zuwächse gegeben haben, sagte eine Volkswirtin, die das Thema seit Jahren erforscht, der "FR".

Grund für die wachsende Lohnkluft sei, dass es keinen bundesweiten gesetzlichen Mindestlohn gebe. Dieser sei notwendig, damit es auch in Branchen mit schwachen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden eine Einkommensuntergrenze gebe.

Auch die Privatisierung von staatlichen Dienstleistungen wie Post, Nahverkehr und Telekommunikation habe die Einkommen auseinandergedrückt. In Deutschland könnten beispielsweise private Telefonfirmen Niedriglöhne zahlen und sich so einen Wettbewerbsvorteil gegenüber dem Ex-Staatsunternehmen Telekom verschaffen.

Über gesetzliche Mindestlöhne streitet die Große Koalition seit vielen Monaten. Wirtschaftsliberale Parteien mahnen zur Vorsicht bei der Definition von Lohnuntergrenzen. Setze man die Mindestlöhne zu hoch an, führe das zu Job-Streichungen, argumentieren sie.

Ein aktuelles Beispiel dafür sei die Pin Group, die angekündigt hat, bis zu 2000 Briefträger zu entlassen. Laut neuem Tarifvertrag muss der private Briefdienstleister Postboten Mindestlöhne zahlen, die zwischen 8 und 9,80 Euro liegen.

ssu/ddp

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