Wirtschaft



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26.08.2008
 

Abschwung in Deutschland

Wirtschaftskrise bedroht den Arbeitsmarkt

Schlechte Konjunkturdaten, miese Kauflaune, Pessimismus in der Wirtschaft - die Krisenstimmung in Deutschland wirkt sich Analysten zufolge bald auf den Arbeitsmarkt aus. Sie erwarten, dass Unternehmen ihre Investitionen zurückfahren und keine neuen Stellen mehr schaffen.

München/Berlin - Die schlechte Stimmung in der Wirtschaft bedroht den Aufschwung am Arbeitsmarkt. Experten prophezeien, dass Firmen sich zusehends auf die schrumpfende Wirtschaft und den rückläufige Konsum einstellen: "Die Unternehmen planen nicht mehr mit zusätzlichen Stellen", sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger am Dienstag. Der Ausbau der Beschäftigung werde zum Stillstand kommen.

Arbeiter auf Berliner Baustelle: Gefahren für die deutsche Wirtschaft
DDP

Arbeiter auf Berliner Baustelle: Gefahren für die deutsche Wirtschaft

Im Juli waren in Deutschland 3,21 Millionen Arbeitslose registriert, die Arbeitslosenquote lag damit bei 7,7 Prozent - und damit viel niedriger als in den vergangenen Jahren. Doch der positive Trend dürfte jetzt gestoppt sein. "Die Unternehmen schalten auf Pessimismus", sagt auch Andreas Scheuerle von der Dekabank. Es wird weniger investiert, und es werden erstmal keine neuen Jobs geschaffen.

Auch die hohen Energiepreise machen sich Experten zufolge bemerkbar: "Wir hatten eigentlich sehr gute Bedingungen für ein Anspringen des Konsums", sagt Jens-Olav Niklasch von der LBBW. Nun aber sei der Energiepreisschock dazwischengekommen "Ich fürchte, dass sich die Lage am Arbeitsmarkt verschlechtert hat."

Hintergrund der Warnung ist, dass die Stimmung in der Wirtschaft so schlecht ist wie lange nicht. Im August hat sie sich erneut stark eingetrübt: Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank von 97,5 Punkten im Juli auf 94,8 Punkte. Experten hatten nur eine Reduzierung auf 97,1 Punkte erwartet. Analystin Antje Hansen von HSBC Trinkaus: "Einen derart starken Rückgang des Ifo-Index' wie in den vergangenen Monaten hat es seit der Wiedervereinigung nicht gegeben." Die deutsche Wirtschaft gerät zunehmend in konjunkturell schwieriges Fahrwasser", sagt auch Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Der monatlich unter rund 7000 Unternehmen erhobene Ifo-Geschäftsklimaindex gilt als wichtigstes Stimmungsbarometer der deutschen Wirtschaft. Er ist bereits das dritte Mal in Folge gesunken. Schon im Juli hatten die Unternehmen ihre Zukunftsaussichten so pessimistisch eingeschätzt wie seit Jahren nicht. Sinn deutete das als Zeichen dafür, dass der konjunkturelle Aufschwung zu Ende geht.

Auch bei den Verbrauchern ist die Stimmung schlecht: Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) legte an diesem Dienstag ähnlich düstere Ergebnisse vor. Die Prognose für das Konsumklima sank demnach von 1,9 Punkten im Vormonat auf 1,5 Punkte. So niedrig war der Wert zuletzt im Sommer 2003. Lediglich die Einkommenserwartung habe sich nach dem Einbruch im Juli leicht auf minus 16,8 Punkte erhöht.

Viele Verbraucher zögern laut GfK derzeit mit größeren Anschaffungen. Nur noch wenige Haushalte rechnen demnach mit einer raschen Konjunkturbelebung. Zu den Wachstumsängsten hätten vor allem die negativen Schlagzeilen zur Finanzkrise und zur Konjunkturentwicklung beigetragen.

Dass die deutsche Wirtschaft schon jetzt auf Talfahrt ist, zeigen Daten des Statistischen Bundesamts: Nach dessen Angaben sank das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum Vorquartal um 0,5 Prozent. Im zweiten Quartal 2008 ist sie damit erstmals seit knapp vier Jahren geschrumpft. Im ersten Quartal 2008 war sie noch um 1,3 Prozent gewachsen.

cvk/Reuters/AP/dpa-AFX/dpa/ddp

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