Wirtschaft



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27.08.2008
 

Mitarbeiterbeteiligung

Beschäftigten-Fonds verärgern Arbeitgeber

Von Hannes Koch

Schwarz-Rot will die Beteiligung von Mitarbeitern an ihren Firmen per Gesetz stärken. An sich ein guter Plan, doch die Unternehmen üben Kritik. Vor allem die geplanten Investmentfonds für Beschäftigte seien zu kompliziert und unpraktisch.

Berlin - SMA in Kassel ist ein erfolgreiches Unternehmen. Es beliefert nicht nur die halbe Welt mit Elektrotechnik, die Sonnenenergie in Haushaltsstrom umwandelt, sondern erfreut sich auch großer Beliebtheit bei seinen Beschäftigten. Die Sicherheit der Arbeitsplätze ist die eine Seite, die Beteiligung des Personals an Gewinn und Kapital die andere. "Damit haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht", sagt SMA-Sprecher Volker Wasgindt.

Euro-Scheine: "Leute mit dem Herzen und dem Portemonnaie mitnehmen"
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DPA

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Knapp die Hälfte der insgesamt 2500 Beschäftigten hält Anteile an SMA. Ihnen gehören zwar nur wenige Prozente des gesamten Unternehmens, aber sie spüren immerhin, was es heißt, im eigenen Betrieb zu arbeiten. SMA-Gründer und Inhaber Günther Cramer meint: "Man muss die Leute mit dem Herzen mitnehmen, aber auch mit dem Portemonnaie".

Das funktioniere, berichten Beschäftigte und Betriebsrat. Selten wird gemurrt, wenn Überstunden fällig sind. Im Gegenteil: Die Leute verteilen ihre Arbeitszeiten selbständig so, dass es passt. Und im Urlaub fahren sie für das Unternehmen noch auf Montage nach Afrika, um dort Sonnenkraftwerke zu installieren. Im Managersprech heißt das: "Die Beteiligung am Kapital steigert die Motivation und Identifikation der Beschäftigten mit dem Unternehmen" - und damit auch den Gewinn.

Seit Jahren bereits vergibt SMA vergünstigte Aktien an seine Mitarbeiter. Dabei macht sich die Firma das Einkommenssteuergesetz zunutze. Dies regelt, dass Unternehmen ihre Mitarbeiter mit bis zu 135 Euro pro Jahr am Kapital beteiligen können, ohne dass die Beschäftigten dafür Steuern und Sozialabgaben zahlen müssen.

Diese Grenze soll künftig auf 360 Euro steigen, verkündeten die gutgelaunten SPD-Minister Peer Steinbrück (Finanzen) und Olaf Scholz (Arbeit) am Mittwoch in Berlin. Das Programm ist Teil des neuen Gesetzes "zur steuerlichen Förderung der Mitarbeiterkapitalbeteiligung". Das Bundeskabinett hat das Vorhaben am Vormittag beschlossen, der Bundestag wird demnächst darüber debattieren.

Grundsätzliche Widerstände aus den Regierungsfraktionen sind nicht zu erwarten. Die große Koalition will ein Zeichen der Gerechtigkeit setzen. In den vergangenen Jahren stagnierten die Einkommen der Beschäftigten in Deutschland, während die Gewinn der Kapitalbesitzer stark stiegen. Indem aus Arbeitern und Angestellten Kleinkapitalisten werden, soll das Gesetz die zunehmende Polarisierung in Arm und Reich zumindest etwas bremsen.

Die höhere Freigrenze von 360 Euro beurteilt man bei SMA positiv. "Wir werden die neuen Möglichkeiten prüfen", sagt Sprecher Wasgindt. Die Beteiligung der Beschäftigten an der Firma könnte damit weiter zunehmen. Auch bei der SB-Warenhaus-Kette Globus unterstützt man die Initiative der Bundesregierung. "Wir begrüßen das, denn wir haben bereits seit 1990 eine Mitarbeiterbeteiligung", so Personalleiterin Sabine Ment. Etwa die Hälfte der rund 19.000 Globus-Mitarbeiter sind mit insgesamt 44 Millionen Euro an ihrer Firma beteiligt. Unter Berücksichtigung der neuen Regelungen könne man über veränderte Modelle nachdenken, ergänzt Ment.

Umstrittener Investmentfonds

Neben der großzügigeren Freigrenze beinhaltet der Gesetzentwurf weitere Punkte. Zum Einen erhöht der Staat seine Zuschüsse zur Vermögensbildung für Arbeitnehmer. Bis zu 80 Euro aus öffentlichen Kassen soll künftig erhalten, wer maximal 400 Euro jährlich in Anteile des Betriebs investiert, in dem er arbeitet. Gleichzeitig werden die Einkommensgrenzen angehoben. Die Koalition unterstützt damit vor allem Beschäftigte mit niedrigen Löhnen. Kosten wird den Finanzminister das ganze Paket rund 230 Millionen Euro pro Jahr.

Außerdem schaffen Union und SPD die Möglichkeit, neue Investmentfonds speziell für Unternehmen mit Kapitalbeteiligung der Beschäftigten ins Leben zu rufen. Das funktioniert so: Mitarbeiter zahlen Geld in den professionell gemanagten Fonds einer Bank oder Versicherung ein, der sich umgekehrt mit 75 Prozent des Vermögens an bestimmten Unternehmen beteiligt.

Pate dafür stand der sogenannte Deutschland-Fonds, den SPD-Chef Kurt Beck vor geraumer Zeit ins Gespräch gebracht hat. Die Absicht: mehr finanzielle Sicherheit für das Kapital der Beschäftigten. Geht ein Unternehmen pleite, in das der Fonds investiert hat, verlieren die Arbeiteraktionäre nicht ihr gesamtes Geld – im Gegensatz zum möglichen Exitus ihres eigenen Betriebes, an dem sie sich direkt beteiligt haben.

Besonders an diesem Fonds entzündet sich nun die Kritik von Wirtschaftsverbänden, aber auch von Unternehmen. "Manche Firmen stehen einer Beteiligung von außen skeptisch gegenüber", begründet Andreas Fink, Sprecher des Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI), "sie wollen das Kapital im Unternehmen oder im Kreis der Familie halten". Globus-Managerin Ment pflichtet ihm bei: "Die neuen Fonds würden zu Globus nicht besonders gut passen."

Heinrich Beyer ist als Geschäftsführer der "Arbeitsgemeinschaft Partnerschaft in der Wirtschaft" (AGP) zwar ein professioneller Anhänger der Mitarbeiterbeteiligung, doch auch er kritisiert die Fondslösung. Gerade "für den Mittelstand ist diese Regelung nicht praktikabel", sagt Beyer. Denn kleinere und mittlere Unternehmen hegten eine besonders große Abneigung gegen Einfluss von außen. Sie würden sich der neuen Art der Kapitalbeteiligung deshalb verschließen, so Beyer.

In diese Richtung argumentiert auch Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt: "Das Konzept geht an den meisten Arbeitnehmern und Arbeitgebern vorbei. Es wendet sich in erster Linie an die Beschäftigten von Aktiengesellschaften."

Ob sich der Mittelstand der neuen Kapitalbeteiligung verweigert, muss sich freilich erst noch zeigen. Schließlich ist kein Unternehmen gezwungen, Anteile an einen Investmentfonds zu verkaufen. Kleine Betriebe fahren möglicherweise besser, wenn sie und ihre Mitarbeiter einfach die höheren steuerlichen Freigrenzen in Anspruch nehmen.

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