Berlin - Die Gewinne der Unternehmen sind in den vergangenen drei Jahren rasant gestiegen - die Löhne der Arbeitnehmer hingegen real gesunken, besagt eine Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Dies sei nicht nur ein mehrheitliches Gefühl der Bevölkerung, sondern Realität, schrieben die Wissenschaftler des Instituts für Makroökonomie (IMK).
Zwar ist die Arbeitslosigkeit gesunken, und die Einkommen stiegen zuletzt kräftig - die realen Nettolöhne gingen der Studie zufolge zwischen 2004 und 2007 aber um insgesamt 3,5 Prozent zurück. Die Unternehmen haben ihre Gewinne im selben Zeitraum dagegen um 10,4 Prozent gesteigert. Hinzu komme, dass der Staat weniger Rente, Arbeitslosengeld oder andere Sozialleistungen zahle, stellen die Konjunkturforscher fest.
Vor allem ärmere Menschen sind demnach die Verlierer: Einer Studie der Universität Duisburg-Essen zufolge mussten besonders Geringverdiener von 1995 bis 2006 Einbußen beim Realeinkommen um 14 Prozent hinnehmen. Das oberste Einkommensviertel der Beschäftigten erhielt dagegen preisbereinigt 3,5 Prozent mehr Lohn.
Der Aufschwung sei in den vergangenen drei Jahren ganz überwiegend den Beziehern von Gewinn- und Vermögenseinkommen zugeflossen, resümieren die IMK-Wissenschaftler. Daran haben nach der Meinung der Autoren auch die verhältnismäßig hohen Tarifabschlüsse der vergangenen Monate nichts geändert. Ihr Fazit: Trotz eines dreijährigen Aufschwungs ist die Situation vieler Arbeitnehmer heute schlechte als damals.
Rolf Kroger vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) verweist jedoch darauf, dass es zuletzt Ziel der Politik gewesen sei, die Arbeitslosigkeit zu senken. "Man kann nicht beides gleichzeitig tun - Beschäftigung aufbauen und Einkommen erhöhen", sagte er.
Zudem drücken Inflation und staatliche Abgaben auf die Löhne. Auch die im vergangenen Jahr erhöhte Mehrwertsteuer reduziert das reale Einkommen der Menschen, stellten die IMK-Forscher fest.
cvk/Reuters/ddp/dpa/AP
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