Von Michael Kröger
Berlin - Die Zahl könnte gut eine Vorgabe der PR-Strategen sein. Pünktlich zum zehnten Jahrestag des Kleinstwagens läuft im französischen Hambach der millionste Smart vom Band. Daimler-Chef Dieter Zetsche lässt es sich nicht nehmen, den Monteuren persönlich zu gratulieren.
Für die Smart-Werker dürfte es seit dem Einweihungsfest die erste Party sein, die sie in wirklich gelöster Stimmung feiern.
Smart Fortwo: "Man zählt damit zur geachteten Avantgarde"
Die vergangenen zehn Jahre waren nicht gerade einfach. Die Kleinwagenmarke von Mercedes entwickelt sich erst seit dem Modellwechsel im vergangenen Jahr zum Hoffnungsträger, ganz langsam - und das eigentlich auch nur, weil die ursprünglich formulierten Stückzahl-Wünsche inzwischen in den Schubladen der Konzernarchive verschwunden sind.
Als der Swatch-Uhren-Erfinder Nicolas G. Hayek Mercedes-Chef Werner Niefer seinerzeit von der Idee eines sparsamen, umweltfreundlichen Zweisitzers begeisterte, hatten die Manger noch von Avantgarde geschwärmt, von einem ganz neuen "urbanen Mobilitätskonzept". Der Erfolg schien programmiert, schließlich saßen in Deutschland im Schnitt nur 1,2 Personen in jedem Auto. Sie legten täglich lediglich 30 Kilometer darin zurück und verbrachten den Großteil der Fahrzeit auf der Suche nach einem Parkplatz.
Wieso also nicht ein Auto bauen, das in jede Lücke passt, zur Not sogar quer? Für den Einkauf im Supermarkt sollte der einen Wasserkasten fassende Kofferraum locker ausreichen.
Allein - der Start wollte nicht recht gelingen. Journalisten kolportierten den spitzen Kommentar von Ferdinand Piëch, der Hayeks Miniauto als Elefantenrollschuh bezeichnet hatte. Später formulierte der VW-Boss etwas diplomatischer: "Ich konnte ihm nur sagen, dass ich keine Uhr bauen will und kein Auto von ihm brauche."
Schwerer wogen die Probleme bei der Entwicklung des Winzlings. Kurz vor dem Start fiel die A-Klasse von Daimler, die wie der Smart einen hohen Schwerpunkt hat, beim Elch-Ausweichtest durch. Sie kippte einfach auf die Seite. Es blieb dann dem Smart vorbehalten, diese spektakuläre Pleite noch zu toppen. Bei Bremsversuchen auf Glatteis verlor auch der Zweisitzer das Gleichgewicht und blieb wie eine Schildkröte auf dem Rücken liegen.
Marketingexperten waren sich damals einig, dass eine Schlappe wie diese kaum wettzumachen ist. Umso erstaunlicher, dass es der Smart inzwischen offensichtlich geschafft hat.
China soll Nachfrage beflügeln
Immerhin schreibt die Daimler-Tochter im zehnten Jahr zum ersten Mal schwarze Zahlen. Von der Neuauflage des Smart setzte Daimler in den ersten sieben Monaten dieses Jahres allein in Deutschland 20.315 Autos ab - ein Plus von 31,2 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres.
Der Smart ging damit auch besser weg als der Panda von Fiat oder der Ka von Ford. Auch Renault Twingo, Toyota Aygo und VW Polo rangieren in der Zulassungsstatistik hinter dem Winzling.
Das Werk in Hambach arbeitet inzwischen mit einer laut Zetsche mehr als zufriedenstellenden Auslastung. Und das Marktforschungsinstitut CSM Worldwide erwartet, dass die Nachfrage im kommenden Jahr noch einmal kräftig anziehen wird, um mehr als 20 Prozent auf dann 160.000 Stück.
Selbst in den USA ist das Auto inzwischen ein Erfolgsmodell. In den ersten vier Monaten seit der Einführung auf dem US-Markt im Januar wurden 5600 Autos ausgeliefert. Mehr als 70 Prozent derjenigen, die sich in die Interessentenliste haben eintragen lassen, unterschrieben anschließend einen Kaufvertrag. Smart-Chef Anders Sundt Jensen schwärmt: "Eine unglaubliche Quote. Die Nachfrage ist so groß, dass wir kaum nachkommen." Einen weiteren Nachfrageschub erwarten die Daimler-Oberen von der Markteinführung in China, der Mitte des kommenden Jahres auf dem Plan steht.
Zum späten Durchbruch der Marke haben Experten zufolge vor allem der hohe Spritpreis und die Klimawandel-Debatte beigetragen. "In Zeiten knapper Ressourcen und CO2-geschwängerter Luft verlieren große Geländewagen und schwere Limousinen allmählich ihr Monopol auf einen Top-Status", sagt ein Werber. Der Smart verkörpere seit jeher Klassenlosigkeit, aber inzwischen auch noch mehr: "Man zählt damit zur geachteten Avantgarde, die weiß, worauf es ankommt."
Demonstrative Verzichtserklärung
Eine demonstrative Verzichtserklärung wie der Smart kommt da gerade recht. Die Dieselversion stößt nur 88 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer aus und liegt damit weit vor der Konkurrenz. Noch ist der Smart CDI sogar das einzige echte Drei-Liter-Auto in Deutschland.
Daimler vermarktet das Auto denn auch offensiv als Ökomobil. In London ging jüngst eine Test-Flotte von 100 Smart mit Elektromotor an den Start. Berlin wird dem Beispiel im kommenden Jahr mit 150 Elektro-Smart folgen. Europaweit soll die Flotte über verschiedene Metropolen verteilt einmal 1000 Elektromobile umfassen.
In Wahrheit ist der Weg zum echten Ökomobil aber auch für den Smart noch weit. Denn die stärker motorisierten Varianten gehen ziemlich ungezügelt mit dem Sprit um. Für die 84-PS-Version steht ein Normverbrauch von 6,4 Litern im Datenblatt. Ein Wert, der im Praxisbetrieb nur mit großer Zurückhaltung zu erreichen ist. Bei hoher Geschwindigkeit auf der Autobahn übersteigt er sogar locker die Acht-Liter-Grenze.
Fahrspaß kommt zu kurz
Auch der Fahrspaß kommt zu kurz. Seit dem Modellwechsel federt der Smart zwar deutlich besser, und auch die Automatik verzichtet auf die elend langen Pausen zwischen den Gangwechseln. Doch die durch die Bauart bedingten Nachteile konnten die Ingenieure allenfalls mildern. Wegen des kurzen Radstands machen zum Beispiel Schlaglöcher die Fahrt noch immer ziemlich unbequem. Die indirekte Auslegung der Lenkung bleibt ein Muss - weil die elektronischen Helfer die Kippneigung anders nicht in den Griff bekommen.
Trotzdem sind die Daimler-Macher überzeugt, dass sie mit ihrem Konzept noch eine Weile punkten können. Sie denken sogar schon wieder an eine Erweiterung der Modellpalette. Aller Misserfolge wie dem Smart Roadster und dem Viersitzer Forfour zum Trotz.
Ab 2013 ist ein neuer Viersitzer auf Basis der dritten Fortwo-Generation angedacht. Auch ein Dreisitzer scheint nicht ausgeschlossen. Die Offensive tut Not - denn die Konkurrenten sind keineswegs untätig.
Toyota zum Beispiel arbeitet an der Marktreife seines Dreisitzers IQ. Fiat plant spätestens Anfang 2010 einen kleinen Bruder des Modells 500 nach Art des seligen Topolino. VW will spätestens Ende 2010 den Up auf den Markt bringen und danach die Ableger von Seat und Skoda.
Es gibt also genügend Gründe, schnell aufzuräumen nach dem Fest in Hambach - und sich Strategien für die Zukunft zu überlegen.
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Ohne Elektronik zu instabil. Auf Grund des zu kurzen Radstandes und des hohen Schwerpunktes. Schlechte Aerodynamik, zu hoher Rollwiderstand. Resultierend ein viel zu hoher Verbrauch bei den Benzin-Motoren. Auch den [...] mehr...
Stichworte lieferten einer mein Vorredner, der Fahrspasz und smartspasz nicht vereinen mochte, ebenso wie google's chrome, welches im Artikel als 3l-Sportwagen apostrophiert wurde. Gordon Murray, der Formel 1 Guru, outete sich [...] mehr...
Seit April 2008 leben über 50% der Weltbevölkerung in Städten. Da erscheint es mir logisch, dass immer mehr Stadtautos gekauft werden. Wer schon einmal einen Smart im urbanen Umfeld bewegt hat, will ihn eigentlich nicht mehr [...] mehr...
naja, ich gehe ja nicht die ganze strecke. ein stück zum bahnhof, und dann nochmal ne halbe stunde zur arbeitsstelle. glauben sie, sonst wäre ich sicherlich bei olympia gewesen =) mehr...
Also wenn sie zu Fuß für 23 km 40 Minuten brauchen, bewegen Sie sich mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 34,5 km/h fort... dann brauchen Sie wirklich kein Auto! ;-) Schon mal dran gedacht bei Olympia am [...] mehr...
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