Wirtschaft



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05.09.2008
 

EU-Vergleich

Deutsche Hauptschüler haben extrem schlechte Jobchancen

Die Job-Chancen von Geringqualifizierten sind in Deutschland besonders schlecht. Einer Studie zufolge haben hierzulande 17,7 Prozent der Geringqualifizierten keinen Job. Im europaweiten Vergleich liegt die Bundesrepublik damit auf dem drittletzten Platz.

Wiesbaden/Berlin - Die Zahl ist alarmierend: 2007 war mehr als jeder sechste 25- bis 64-jährige Deutsche mit einfachem Bildungsniveau arbeitslos, teilte das Statistische Bundesamt mit.

Arbeitsagentur in Halle: Schlechte Job-Chancen in Deutschland
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DDP

Arbeitsagentur in Halle: Schlechte Job-Chancen in Deutschland

Als geringqualifizierte gelten Menschen, die höchstens einen Realschulabschluss und keine Berufsausbildung haben. 17,7 Prozent dieser Gruppe hätten in Deutschland keinen Job. Der EU-Durchschnitt lag mit 9,2 Prozent deutlich unter dem deutschen Niveau. Nur in Tschechien (19,1 Prozent) und der Slowakei (41,5 Prozent) sei die Arbeitslosenquote der Geringqualifizierten höher gewesen.

Die vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Zahlen gehen auf Daten der europäischen Arbeitskräfteerhebung zurück. Die Erhebung folgt dem Konzept der International Labour Organization (ILO) und soll eine Vergleichsmöglichkeit unabhängig von nationalen Regelungen des Arbeitsmarktes bieten.

Der Statistik zufolge hing das Risiko, arbeitslos zu werden, in allen EU-Staaten vom Bildungsniveau ab. Die Arbeitslosenquote bei Menschen mit Hochschul- und Fachhochschulabschluss oder einer höheren berufsfachlichen Ausbildung lag in Deutschland bei lediglich 3,7 Prozent und im EU-Durchschnitt bei 3,6 Prozent. Die Erwerbslosenquote bei Menschen mit Berufsausbildung oder Abitur lag hierzulande bei 8,2 Prozent und im EU-Durchschnitt bei sechs Prozent.

Allerdings gibt es von Land zu Land große Unterschiede:

  • In Griechenland, Luxemburg und Portugal betrug der Abstand bei der Erwerbslosenquote zwischen den Gruppen mit der niedrigsten und der höchsten Bildung nur rund einen Prozentpunkt.
  • In der Slowakei und in Tschechien war das Risiko einer Erwerbslosigkeit bei einfacher Bildung dagegen mehr als zwölf Mal so hoch wie bei den Menschen mit höherer Bildung.
  • Auch Deutschland zählt der Studie zufolge zu den Ländern, in denen Personen mit einfachem Bildungsgrad besonders von Arbeitslosigkeit betroffen seien.

Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnte, die Ausbildungschancen für Jugendliche zu verbessern. "Jedem sollte eine Chance gegeben werden", sagte sie. Der Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) verwies auf den Investitionsbedarf von Kitas, Schulen, Universitäten und Weiterbildungseinrichtungen. Dieser ist auf bis zu zehn Milliarden Euro beziffert. Diese "horrende Summe" könnten die Länder nicht alleine aufbringen, sagte Wowereit. Für den Bund gebe es genügend Möglichkeiten der Unterstützung, ohne die Kompetenz der Länder in Frage zu stellen.

Die Diskussion um das Thema Arbeitslosigkeit hat seit Donnerstag an Schärfe gewonnen. Da gab das Statistische Bundesamt bekannt, dass 8,3 Millionen Deutsche Ende 2006 existenzsichernde Hilfen wie Arbeitslosengeld II oder Hartz IV erhalten haben - das sind 10,1 Prozent der Bevölkerung.

Am selben Tag bemängelten zwei Wissenschaftler von der TU Chemnitz, dass der Regelsatz für Hartz IV viel zu hoch sei. Ihrer Rechnung nach könnte ein Bedürftiger mit 132 Euro im Monat auskommen - wenn er nicht raucht und telefoniert. Für ein Kind seien 79 Euro genug. Der Paritätische Wohlfahrtsverband schäumt: Das sei der "Bedarf eines Hundes in einem Tierheim".

ssu/AP/dpa

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