New York - Die Aktienkurse der beiden angeschlagenen US-Hypothekenbanken Fannie Mae
und Freddie Mac
sind am Montag in New York um jeweils mehr als 80 Prozent abgestürzt. Anleger fürchten, nunmehr völlig wertlose Papiere in ihren Depots zu halten. Fannie Mae fielen um bis zu 85,8 Prozent auf einen Dollar, Freddie stürzten um bis zu 82,35 Prozent auf 90 Cent ab.
Die US-Regierung hatte am Sonntag die vorläufige Kontrolle über die beiden Banken übernommen, auf die knapp die Hälfte des US-Hypothekenmarktes entfällt.Das wirkte sich positiv auf das Anleihegeschäft aus. Freddie Mac verkaufte am Montag Anleihen im Volumen von zwei Milliarden Dollar je zur Hälfte mit drei beziehungsweise sechs Monaten Laufzeit. Der Zins bei den Drei-Monats-Papieren wurde mit 2,100 (zuvor 2,568) Prozent festgelegt. Der Zins der Sechs-Monats-Papiere fiel auf 2,350 Prozent von 2,860 Prozent in der vorigen Woche. Die Nachfrage sei höher als vorige Woche gewesen, hieß es in New York.
Insgesamt sorgte die Nachricht von der befristeten Verstaatlichung von Fannie und Freddie für Auftrieb an den Börsen in aller Welt. Der Dow-Jones-Index
der Standardwerte stieg im frühen Handel an der Wall Street um rund zwei Prozent auf 11.462 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500-Index legte 1,8 Prozent auf 1264 Zähler zu. Der Index der Technologiebörse Nasdaq
gewann 0,6 Prozent auf 2269 Punkte.
An anderen Aktienmärkten rund um den Globus hatte die staatliche Hilfe für die beiden US-Hypothekenfinanzierer für ein Kursfeuerwerk gesorgt. Die Leitindizes an den wichtigsten Börsen legten zwischen drei und fünf Prozent zu. Der wichtigste deutsche Aktienindex, der Dax
, stieg bis Handelsende um 2,22 Prozent und schloss bei 6264 Punkten.
"Die Übernahme verdeutlicht, dass die US-Regierung nicht dasitzen und zuschauen wird, wie das Rückgrat unserer Wirtschaft weiter gefährdet ist", sagte Andre Bakhos, Präsident der Princeton Financial Group. "Die Investoren können jetzt besser atmen." Andere Experten warnten jedoch vor vorschnellen Hoffnungen auf ein Ende der Finanzkrise.
Im Gegensatz zu Freddie Mac und Fannie Mae eröffneten andere Bankentitel wegen des Hilfsprogramms deutlich höher. Die Anteilsscheine der Bank of America
verteuerten sich um rund sieben Prozent, während die Papiere der größten US-Bank Citigroup
um 6,7 Prozent zulegten.
Auch der Wechsel an der Spitze der von der Hypothekenkrise gebeutelten größten US-Sparkasse Washington Mutual
kam an der Börse gut an. Die Aktien des Instituts stiegen zeitweise um zehn Prozent, lagen später aber nur noch drei Prozent im Plus. Kerry Killinger gehe nach 18 Jahren als Chef des Instituts in den Ruhestand, teilte Washington Mutual am Montag mit. Sein Nachfolger werde Alan Fishman, bisher Direktoriumschef bei Meridian Capital Group. Die Bank hatte wegen fauler Kredite im zweiten Quartal erneut einen Milliardenverlust erlitten.
Trotz des Streiks beim EADS-Konkurrenten Boeing
legte die Aktie des Flugzeugbauers leicht um 0,27 Prozent zu. Die rund 27.000 gewerkschaftlich organisierten Mechaniker des Konzerns waren am Wochenende in einen unbefristeten Ausstand getreten. Ein Stillstand der Produktion würde Boeing jeden Tag rund hundert Millionen Dollar Umsatz kosten. Zudem drohen neue Verzögerungen beim Prestigeprojekt "787-Dreamliner".
kaz/Reuters
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