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Jobs "Die Un-Arbeitslosen sind die wahren Frustrierten"

2. Teil: Lesen sie nach dem Klick, warum die meisten Menschen ihre Chefs hassen und warum Stellenangebote wie Reiseprospekte sind.

SPIEGEL ONLINE: Der Durchschnittsmitarbeiter verzweifelt indes an der Gegenwart einer ganz irdischen Person. Warum hassen die meisten Menschen ihren Chef?

Kitz: Weil Chefs die Projektionsfläche unseres Frusts sind. Sie können zwar nichts dafür, dass wir es grundsätzlich als belastend empfinden, von unserer Arbeit abhängig zu sein. Aber da sie sozusagen die Pflicht der Arbeit verkörpern, hassen wir sie trotzdem dafür. Auch die Schuld für ganz konkrete Dinge schieben wir ihnen zu - zum Beispiel dafür, dass unser Gehalt viel niedriger ist als das von Herrn Müller aus der Abwicklung.

SPIEGEL ONLINE: Viele finden ihre Chefs zu gleichgültig. Laut einer Umfrage monieren 61 Prozent der Angestellten, ihr Boss würde sie zu selten loben.

Kitz: Wir brauchen Anerkennung so sehr, aber in der Realität ist so wenig Raum dafür. Ein Chef kann seinen Arbeitern gar nicht die Aufmerksamkeit schenken, die ihnen zustünde. Wenn ich meinem Chef einen Entwurf schicke, dann mag der toll sein, aber eben vielleicht nicht die einzige tolle Sache, die er heute zu sehen bekommt. Dass mein Chef am selben Tag noch 20 andere gute Arbeitsergebnisse von Kollegen bekommt und beim besten Willen einfach nicht die Zeit hat, jeden einzelnen en Detail zu würdigen, blende ich aus. Stattdessen ärgere ich mich darüber, dass mein Chef sich nur meldet, wenn es etwas zu meckern gibt …

SPIEGEL ONLINE: … und irgendwann hat man vom Chef und vom Frustjob die Schnauze voll und bewirbt sich woanders, …

Kitz: … wo dasselbe Spiel von vorne beginnt. Wieder hofft man, den Traumjob gefunden zu haben. Wieder sieht man nicht, dass es auch am neuen Arbeitsplatz Kollegen gibt, die mehr verdienen, dass man auch dort weit weniger bewirken kann als man sich erhofft hat, dass es auch dort einen Chef gibt, der keine Zeit hat, einen ständig zu loben.

SPIEGEL ONLINE: Das heißt, der Durchschnittsarbeiter ist nicht nur neidisch, sondern obendrein naiv?

Kitz: Wir waren zumindest erstaunt, wie wenig die meisten aus ihren Fehlern lernen. Viele fallen tatsächlich immer wieder auf Stellenausschreibungen herein, in denen überdurchschnittliche Gehälter und Möglichkeiten der Selbstentfaltung angepriesen werden. Allerdings muss man diesen Menschen zugute halten, dass moderne Stellenangebote wie Reiseprospekte sind. Es sind auf Hochglanz polierte Projektionsflächen für unsere Sehnsucht nach dem Traumjob.

SPIEGEL ONLINE: Sollen wir dann nicht doch lieber alle Hartz IV beantragen?

Kitz: Nein, wir müssen nur den etwas unangenehmen Schritt wagen, unsere aktuelle Situation schonungslos zu analysieren. Stellen wir dabei fest, dass wir, gemessen an objektiven Kriterien, tatsächlich unfair behandelt werden, sollten wir den Job wechseln. In den meisten Fällen aber wird sich uns erschließen, dass vieles, was uns frustriert auf unseren eigenen überzogenen Erwartungen fußt. Es handelt sich um allgegenwärtige Probleme der Arbeitswelt, die sich nicht durch einen Jobwechsel lösen lassen, sondern nur durch Arbeit an sich selbst.

SPIEGEL ONLINE: Und das bedeutet?

Kitz: Das bedeutet, dass der Job, den Sie haben, wahrscheinlich der beste ist, den Sie kriegen können. Sie müssen nur wieder einen realistischen Bezug zu Ihrer Arbeit finden. Dann ist es letztlich auch unwichtig, wie genau Ihr Job aussieht - und Sie werden wesentlich resistenter gegen Frust.

Das Interview führte Stefan Schultz

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