Frankfurt - Mindestens drei Konzernmitarbeiter sollen die Ermittler in der Bespitzelungsaffäre der Deutschen Telekom überführt haben, heißt es in einem Zeitungsbericht der "Financial Times Deutschland. Sie berief sich dabei auf Recherchen des Wirtschaftsmagazins "Capital".
Demnach liegt der Staatsanwaltschaft Bonn die Email eines Mitarbeiters der Telekom-Konzernsicherheit vor. Darin weise er einen Kollegen bei T-Mobile an, Verbindungsdaten eines "Capital"-Redakteurs herauszusuchen, damit diese ausgewertet werden könnten. Auf der angehängten elektronischen Visitenkarte des Journalisten hätten die Mobil- und Festnetznummer gestanden. Zusätzlich liege der Staatsanwaltschaft mindestens eine Email vor, mit der illegal erhobene Telefondaten übertragen worden seien.
Die E-Mails seien ursprünglich bereits von internen Ermittlern der Telekom gefunden worden, nachdem Konzernchef Rene Obermann vor einem Jahr von dem Spitzelangriff gegen Kowalewsky erfahren habe, schrieb das Blatt weiter.
Mehr Journalisten bespitzelt, als bisher angenommen
Der Kreis der Journalisten, die von der Telekom bespitzelt wurden, sei zudem offenbar größer als bislang bekannt, heißt es in dem Bericht weiter. "Wir wissen inzwischen, dass es kein Einzelfall war", sagte Oberstaatsanwalt Friedrich Apostel dem "Handelsblatt". Laut Zeitungsinformation sollen Telefonate von fünf bis sechs Journalisten überprüft worden sein.
Im Mai hatte die Telekom lediglich zugegeben, dass in den Jahren 2005 und 2006 Telefonverbindungen zwischen einem Journalisten und einem Aufsichtsrat abgeglichen wurden, um undichte Stellen im Unternehmen ausfindig zu machen. Weiterhin bleibt unklar, welchen Umfang die Bespitzelung bei der Telekom gehabt hat.
Demnächst würden die Betroffenen angeschrieben und informiert, berichtete die "FTD" unter Berufung auf die Bonner Staatsanwaltschaft. Damit soll ihnen die Möglichkeit eröffnet werden, selbst Strafanzeige zu erstatten. Die Telekom hat eingeräumt, 2005 und möglicherweise auch 2006 Telefondaten ausgewertet zu haben.
Nach Informationen aus dem Konzernumfeld ging es hauptsächlich um Kontakte zwischen Aufsichtsräten und Journalisten, wohl aber auch um Kontakte von Managern zu Journalisten. Ziel soll gewesen sein, undichte Stellen zu stopfen, um die Veröffentlichung von Interna zu unterbinden. Zu dem "FTD"-Bericht war zunächst weder von der Telekom noch von der Bonner Staatsanwaltschaft eine Stellungnahme zu erhalten.
fat/Reuters/ddp
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