Frankfurt am Main/Bonn - Die deutsche Finanzwirtschaft steht vor einer neuen Großübernahme. Deutsche Bank
und Deutschen Post
haben bereits fortgeschrittene Gespräche über eine Beteiligung der größten deutschen Bank bei der Postbank
geführt. Das bestätigten beide Unternehmen in der Nacht.
Ob diese Gespräche zu einem Abschluss führen, sei jedoch offen, hieß es - wobei Finanz-Insider es wahrscheinlich nannten, dass sich die Parteien vor Freitag einigen. Schon bei einer Sitzung des Post-Aufsichtsrates Ende der Woche dürfte ihnen zufolge eine Entscheidung über den seit Monaten diskutierten Verkauf des Instituts fallen.
Post-Chef Frank Appel hatte im Juni den Startschuss für die Trennung von der Finanztochter gegeben und angekündigt, der Konzern trete im Sondierungsprozess um die Zukunft der Tochter in eine "intensivere Phase" ein. Die Post selbst will sich verstärkt auf Logistikaktivitäten konzentrieren.
Die Finanzmarktkrise, fallende Aktienkurse und Bewertungsschwierigkeiten hatten eine rasche Entscheidung aber verhindert. Der Wert der Post-Tochter schrumpfte von rund zehn Milliarden Euro im Frühjahr auf zuletzt rund sieben Milliarden Euro. Appel musste um seine angepeilten Verkaufserlöse fürchten. Die Gespräche mit der Deutschen Bank waren vor einigen Wochen denn auch zum Erliegen gekommen, da die Preisvorstellungen zu weit auseinanderklafften.
29,75 Prozent und Vorkaufsrecht für den Rest
Der "Bonner General-Anzeiger" berichtet nun, die Deutsche Bank werde bei der Postbank mit einem Anteil von 29,75 Prozent einsteigen. Darüber hinaus wolle sich die Frankfurter Großbank ein Vorkaufsrecht für die restlichen Postbank-Anteile der Post sichern. Die Post hält 50 Prozent plus eine Aktie. Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank soll dem Bericht zufolge ein entsprechendes Angebot bereits genehmigt haben.
Die Deutsche Bank steht unter Handlungsdruck, nachdem ihr auf dem Heimatmarkt durch die Fusion von Commerzbank
und Dresdner Bank ein neuer starker Rivale erwächst. Durch eine Minderheitsbeteiligung an der Postbank hätte sie bei Deutschlands größter Privatkundenbank einen Fuß in der Tür, ohne den anderen Aktionären gleich ein Abfindungsangebot machen zu müssen. Das "Handelsblatt" beziffert die Kosten eines solchen Pakets für die Deutsche Bank auf rund 2,1 Milliarden Euro.
Die beteiligten Unternehmen wollten sich zu diesen Informationen nicht äußern. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte aber am Mittwoch sein grundsätzliches Interesse an einer Übernahme bekräftigt: "Zum Thema Postbank haben wir immer gesagt, dass die Postbank für uns ein Institut ist, was uns in vieler strategischer Hinsicht stärken könnte - sowohl im Privatkundenmarkt als auch als Distributionsnetz. Daran hat sich nichts geändert."
Ackermann sagte, die deutsche Bankenbranche müsse sich weiter verändern: "Wir brauchen Konsolidierung." Die Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank wertete er als Stärkung für den Finanzplatz Deutschland: "Wir begrüßen sehr den Zusammenschluss von Commerzbank und Dresdner Bank." Die Commerzbank übernimmt die angeschlagene Dresdner Bank für insgesamt 9,8 Milliarden Euro in zwei Schritten vom Versicherer Allianz
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suc/dpa/Reuters/AP
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