Stuttgart - Lidl wird für den Lauschangriff auf die eigene Belegschaft abgestraft. Datenschützer mehrerer Bundesländer verlangen fast 1,5 Millionen Euro an Bußgeldern von dem Unternehmen, wie die federführende Behörde in Stuttgart erklärte.
Alle 35 Regionalgesellschaften des Discounters in Deutschland seien betroffen. Hauptvorwurf der Datenschützer ist, dass die Lidl-Töchter Detektive damit beauftragt haben, die Verhaltensweisen von Mitarbeitern zu überwachen. "Die Protokolle gehen teilweise weit in den privaten Bereich hinein", sagte Günter Schedler, Leiter der Datenschutzaufsicht im baden-württembergischen Innenministerium. Die Späher hätten beispielsweise persönliche Probleme von Mitarbeitern, ihre finanzielle Situation sowie Informationen zum Gesundheitszustand notiert.
Die gegen die einzelnen Gesellschaften verhängten Bußgelder liegen den Angaben zufolge zwischen 10.000 und 310.000 Euro. Ein Schwerpunkt sei Niedersachsen, dort werden Bußgelder in Höhe von mehr als 650.000 Euro gefordert, sagte Schedler. In dem norddeutschen Bundesland seien besonders viele Protokolle mit sehr persönlichen Inhalten gefunden worden.
Die Datenschützer aus zwölf Bundesländern bemängeln außerdem den heimlichen Einsatz von Kameras zur Überwachung von Mitarbeitern sowie das Fehlen betrieblicher Datenschutzbeauftragter. Lidl will von einem Widerspruch gegen die Forderungen absehen.
Eine Sprecherin sagte: "Es ist davon auszugehen, dass die Bußgelder akzeptiert werden." Erste Bescheide seinen bereits eingegangen und angenommen worden. Bei einem geschätzten Deutschland-Umsatz von 13,3 Milliarden Euro fallen die Strafzahlungen allerdings vergleichsweise gering für Lidl aus.
suc/dpa
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