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12.09.2008
 

Maroder US-Investment-Gigant

Lehman stellt sich komplett zum Verkauf

Dramatische Entwicklung wegen der Finanzkrise: Die riesige Investmentbank Lehman Brothers verhandelt mehreren US-Zeitungen zufolge mit Kaufinteressenten - als Favorit gilt die Bank of Amerika. Die Regierung Bush hat sich als Krisenhelfer eingeschaltet.

New York - Im Ringen um eine Rettung der angeschlagenen US-Investmentbank Lehman Brothers Chart zeigen überschlagen sich die Ereignisse. Nachdem ein Überleben der Traditionsbank infrage gestellt wurde und ihr Aktienkurs seit Beginn der Woche um rund 75 Prozent einbrach, stellte sich das Bankhaus offenbar zum Verkauf.

Lehman-Zentrale in New York: Geldhaus stellt sich zum Verkauf
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REUTERS

Lehman-Zentrale in New York: Geldhaus stellt sich zum Verkauf

Mehrere Geldhäuser nehmen derzeit Lehman genauer unter die Lupe, sagten Insider der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. Mindestens ein Konzern sei an einer vollständigen Übernahme interessiert. Das "Wall Street Journal" berichtete, die Bank of America führe Gespräche mit Lehman - ein Geschäftsabschluss sei aber alles andere als sicher. In anderen US-Medien wurde Barclays als Interessent genannt.

An den Finanzmärkten wurde spekuliert, dass Lehman um 12 Uhr eine Erklärung abgeben werde. Analyst Richard Bove von Ladenburg Thalmann sagte, dass die Bank of America wahrscheinlich den Zuschlag beim Verkauf von Lehman bekommen werde. Bank of America Chart zeigen, Barclays und Lehman lehnten eine Stellungnahme ab.

Der Aktienkurs von Lehman beflügelten die Gerüchte. Papiere des Instituts wurden auf dem Frankfurter Parkett bei 3,83 Euro oder umgerechnet 5,40 US-Dollar gehandelt. Damit standen die Titel rund 28 Prozent über dem Wall-Street-Börsenwert vom Vorabend.

Reuters zufolge steht bei Gesprächen von Lehman mit der US-Regierung neben einer vollständigen Übernahme auch der Verkauf von Unternehmensteilen oder ein Eingreifen der Regierung zur Option. Letzteres werde von Lehman jedoch nicht angestrebt, sagte ein Insider der Nachrichtenagentur. Das Finanzministerium wollte mögliche Gespräche auf Anfrage nicht kommentieren. Ein Sprecher sagte aber, sein Haus beobachte die Märkte "aufmerksam" und stehe "mit den Handelnden auf den Märkten in regelmäßigem Kontakt".

Die "Washington Post" berichtet, das Ministerium und die Notenbank Fed stehen mit verschiedensten Firmen in Kontakt und prüften eine "Vielfalt von Szenarien" für eine Übernahme der viertgrößten US-Investmentbank durch ein anderes Finanzhaus. Zu erwarten sei, dass der Verkauf noch am Wochenende unter Dach und Fach gebracht und bekanntgegeben werde.

Nach bisherigen Plänen wollte Lehman lediglich Teile des Konzerns abspalten oder verkaufen. Bank-Chef Richard Fuld hatte zugleich aber betont, sollte es Angebote für eine Übernahme geben, so würden diese ebenfalls geprüft. Lehman steckt derzeit tief in der Krise: Am Mittwoch hatte die Bank einen Rekordverlust 3,9 Milliarden Dollar für das abgelaufene Quartal bekanntgegeben. Bereits im zweiten Quartal hatte das Haus einen Verlust von 2,87 Milliarden Dollar hinnehmen müssen.

Erst am Mittwoch war bekannt geworden, dass der Einstieg der Korean Development Bank (KDB) bei Lehman gescheitert ist. Ein Sprecher des südkoreanischen Staatsinstituts nannte als Grund Uneinigkeiten über die Konditionen der Transaktion sowie über das Umfeld auf den heimischen und internationalen Finanzmärkten. Die Verhandlungen zwischen der KDB und Lehman liegen weiterhin auf Eis. Derzeit würden keinerlei Gespräche geführt, sagte KDB-Chef Min Euoo Sung am Freitag. Auch wisse er nicht, was im Hinblick auf die Verhandlungen in Zukunft geschehe.

Die sich dramatisch zuspitzende Krise bei Lehman Brothers erinnert an das Schicksal des Wettbewerbers Bear Stearns Chart zeigen: Die Investmentbank hatte im März wegen ähnlicher Probleme auf Druck der Notenbank Fed ihrem Zwangsverkauf zustimmen müssen. Der Finanzkonzern JPMorgan zahlte für die Übernahme lediglich einen Schleuderpreis.

Ein Ende der Finanzkrise ist noch lange nicht in Sicht: Washington Mutual, die größte Sparkasse der USA, rechnet wegen der Kreditmarktkrise mit weiteren Milliardenabschreibungen. Angesichts zunehmender Sorgen über einen Zusammenbruch der Bank ergriff das Unternehmen am Donnerstag die Flucht nach vorn und teilte nach US-Börsenschluss mit, es verfüge immer noch über ausreichend Kapital. Dennoch sei im dritten Quartal mit Abschreibungen von etwa 2,7 Milliarden Dollar zu rechnen. Im zweiten Quartal hatte das Unternehmen wegen der Hypothekenkrise bereits 2,17 Milliarden Dollar in den Sand gesetzt.

cvk/ssu/AFP/dpa/Reuters

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