New York - Inmitten der Bemühungen um die von der Zerschlagung bedrohten US-Investmentbank Lehman Brothers stehen die Bank of America und Merrill Lynch in Fusionsgesprächen. Merrill habe sich der Bank of America angeboten und als Kaufpreis mindestens 38,25 Milliarden Dollar ausgerufen, berichtete die "New York Times" am Sonntagabend. Pro Merrill-Aktie solle ein Preis zwischen 25 und 30 Dollar erzielt werden. Die Gespräche seien in einem fortgeschrittenen Stadium und eine Übernahme könnte noch in der Nacht zu Montag bekanntgegeben werden, hieß es.
Die Bank of America galt zuletzt auch als möglicher Käufer von Lehman Brothers. Da dieser Plan aber gescheitert sei, wende sich die Bank nun Merrill Lynch zu, berichtete das "Wall Street Journal" am Sonntagabend unter Berufung auf Insider. Merrill Lynch kämpft ähnlich wie Lehman mit Milliardenverlusten und einem massiven Kurssturz, wenngleich die Probleme laut Experten noch nicht so drastisch sind.
Die Merrill-Aktien waren am Freitag mit einem Abschlag von 12,3 Prozent auf 17,05 Dollar aus dem Handel gegangen. Vor Jahresfrist lag der Preis noch bei knapp 80 Dollar. Seitdem hat der Kurs aber gelitten - wie bei vielen anderen Banken im Zuge der weltweiten Kreditmarktkrise auch.
Mit dem 158 Jahre alten Traditionshaus Lehman Brothers steht binnen sechs Monaten bereits die zweite der einst fünf unabhängigen US-Investmentbanken vor dem Scheitern. Im März war der kleinere Konkurrent Bear Stearns in einem Notverkauf an den Finanzkonzern J.P. Morgan Chase gegangen.
Unterdessen brechen in der US-Finanzbranche immer neue Krisenherde auf. Vom angeschlagenen größten US-Versicherer AIG wird für Montag die Ankündigung von scharfen Sanierungsmaßnahmen erwartet. Dabei könnten Konzernteile wie das Flugzeugleasinggeschäft zum Verkauf stehen, berichtete das "Wall Street Journal".
Zudem gilt die größte US-Sparkasse Washington Mutual wegen enormer Probleme als Übernahmekandidat. Den kriselnden Finanzkonzernen machen allen die zuletzt heftig eingebrochenen Aktienkurse zu schaffen. Eine Pleite von Lehman würde ihre Lage noch dramatisch verschärfen.
cjp/Reuters/dpa
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