London - Die Rettungsmaßnahme für den Versicherer AIG
verschaffte den Finanzmärkten kurzfristig Luft - doch der Reigen der Hiobsbotschaften für die Anleger scheint noch nicht beendet: Jetzt hat die Krise offenbar die größte britische Hypothekenbank Halifax Bank of Scotland (HBOS) in Not gebracht.
In Händlerkreisen machten Spekulationen über Liquiditätsprobleme die Runde. Die HBOS-Aktien
Man sei eine starke finanzielle Institution mit beträchtlichen Kapitalressourcen, sagte ein HBOS-Sprecher. Die Bank könne sich weiterhin über den Finanzmarkt finanzieren. Medienberichte, wonach die Bank in Fusionsgesprächen mit dem britischen Finanzkonzern Lloyds sei, kommentierte der Sprecher nicht.
Die BBC hatte berichtet, Lloyds sei in fortgeschrittenen Gesprächen über eine Übernahme von HBOS, um einen viele Milliarden Pfund schweren Bankenriesen aufzubauen. Auch Lloyds wollte den Bericht nicht kommentieren. Ein Kapitalmarktexperte sprach von einem möglichen Weg hin zu einer "reinen Zweckehe". Eine Übernahme würde auf einen Kaufpreis von rund 300 Pence je Aktie hinauslaufen, hieß es in dem Bericht.
Am Morgen hatte die Ratingagentur Fitch die Bonitätsbewertung für HBOS herabgestuft. Goldman Sachs
strich die Aktie von der "Pan-Europe Conviction Buy List". "Bei HBOS werden derzeit massiv Anlegergelder abgezogen", sagte ein Börsianer. Institutionelle Investoren wollen demnach keinen zweiten Kollaps wie bei Lehman Brothers erleben.
Die Kreditkrise hatte HBOS bereits im ersten Halbjahr stark zugesetzt. Der Vorsteuergewinn war um mehr als 70 Prozent auf 848 Millionen Pfund (1,07 Milliarden Euro) eingebrochen. HBOS habe Risiken aus mit US-Hypothekenkrediten gedeckten Wertpapieren in Höhe von 38 Milliarden Euro in den Büchern, sagte ein Analyst. "Hoffentlich geht das gut", fügte er hinzu.
Aktienmärkte reagieren nervös
Die Aktienmärkte reagierten nervös auf die Spekulationen: Nach anfänglicher Euphorie im Zuge der Rettung des US-Versicherers American International Group (AIG)
drehte der Dax
zeitweise wieder deutlich ins Minus. Insbesondere Bankenwerte gerieten unter Druck. Später erholte sich der Leitindex wieder.
Dabei schien der große Crash gerade erst abgewendet: Die US-Notenbank hatte dem angeschlagenen US-Versicherungsriesen American International Group einen Kredit in Höhe von 85 Milliarden Dollar gewährt und als Sicherheit dafür 80 Prozent des Versicherers übernommen. Bei einem Crash der AIG hätte abgesehen von Vermögenschäden für die einzelnen Versicherungsnehmer eine massive Verschlimmerung der über alle Anlageklassen hinweg zu beobachtenden Verwerfungen gedroht, sagte ein Analyst.
cvk/dpa-AFX/Reuters/ddp
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