New York - Die neuesten Entwicklungen in der Finanzmarktkrise haben an der Wall Street heftige Turbulenzen ausgelöst. Die spektakuläre
Rettungsaktion der US-Notenbank für den Versicherungsriesen AIG
gab den US-Börsen nur kurzzeitig Auftrieb. Drehte der Leitindex Dow Jones am Mittwochabend noch ins Plus und weckte damit Hoffnungen auf eine Entspannung an den Märkten, sackte er zum Handelsschluss kräftig ins Minus: Er stürzte um rund 449 Punkte auf 10.609 Zähler ab und schloss um 4,06 Prozent schwächer.
Händler in New York: Angst vor neuen Hiobsbotschaften
Der breiter gefasste S&P-500-Index verlor am Mittwoch 4,71 Prozent, der Index der Technologiebörse Nasdaq
gab 4,94 Prozent auf 2098 Stellen nach. Zu den großen Verlierern gehörte auch die Citigroup
, deren Aktien massiv an Wert verloren.
Verantwortlich für den Einbruch der US-Börsen sind offenbar Sorgen um eine weitere Verschärfung der Finanzkrise. Nach der AIG-Rettungsaktion fürchteten Händler, dass die Investmentbank Morgan Stanley als nächstes unter der Last der Kreditkrise zusammenbrechen könnte. Eine Verschärfung der Finanzkrise würde auch andere Branchen belasten und Konsumenten weiter verunsichern
Bericht: Morgan Stanley erwägt Zusammenschluss
Während Morgan Stanley
immer stärker in Bedrängnis gerät, prüft die Investmentbank einem Zeitungsbericht zufolge einen rettenden Zusammenschluss mit einem anderen Finanzhaus. Ein möglicher Partner sei die viertgrößte US-Bank Wachovia
, berichtete die "New York Times" am Mittwochabend in ihrer Onlineausgabe. Wachovia habe Morgan Stanley gegenüber selbst Interesse geäußert. Auch andere Banken hätten bereits angeklopft.
Morgan Stanley erlitt an der Börse zuletzt immer stärkere Kursverluste. Am Mittwoch war die Aktie erneut um 24 Prozent auf 21,75 Dollar abgestürzt. Ähnliche Verluste hatten in den vergangenen Tagen bereits mehrere andere Finanzhäuser in die Pleite oder zum Verkauf gezwungen. So sind wegen der Kreditkrise von einst noch fünf unabhängigen US-Investmentbanken nur noch Morgan Stanley und Goldman Sachs übrig.
Rekordpreis für Gold
Angesichts der Welle von Hiobsbotschaften an der Wall Street flüchteten die Anleger in sichere Werte: Der Goldpreis verzeichnete prompt den höchsten jemals an einem Tag erreichten Anstieg. Der Preis für eine Feinunze kletterte am Abend im elektronischen Handel um bis zu 11,6 Prozent oder 90,40 US-Dollar auf 870,90 Dollar. Damit wurde der Rekord vom 29. Januar 1980, an dem der Preis um 64 Dollar zugelegt hatte, eingestellt.
Viele Anleger flüchten in Krisenzeiten am Finanzmarkt traditionell in Gold, Silber und andere Rohstoffe als sicheren Hafen für ihre Vermögen. Die Goldkäufe hätten sich beschleunigt, nachdem Gerüchte über Schwierigkeiten bei einem weiteren Finanzkonzern aufgekommen seien, sagte Analyst Jon Nadler von Kitco Bullion Dealers Montreal. Händlern zufolge spielte auch der sich abschwächende Dollarkurs eine Rolle.
Übernahme von Hypothekenbank HBOS perfekt?
Rettung zeichnet sich unterdessen für die größte Hypothekenbank Großbritanniens ab: Dem britischen Fernsehsender Sky TV zufolge hat sich die angeschlagene Halifax Bank of Scotland (HBOS ) mit der Bank Lloyds TSB auf eine Notfusion geeinigt. HBOS suchte dringend nach einem Investor, um - zumindest Gerüchten zufolge -
Die HBOS hatte in den vergangenen drei Tagen massive Kursverluste erlitten. Hinweise auf eine drohende Liquiditätskrise hatten den Absturz mit ausgelöst. Die durch die Kreditkrise in Mitleidenschaft gezogene HBOS hat im vergangenen Jahr in Großbritannien jedes fünfte Immobiliendarlehen vergeben. Sie beschäftigt 72.000 Menschen.
amz/dpa/Reuters/AP
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