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19.09.2008
 

Börsenkrise

US-Regierung plant, Banken Milliardenschulden abzunehmen

Von Marc Pitzke, New York

2. Teil: Ein Broker: "Nichts wird mehr so sein, wie es war"

Vorbild für die avisierte Massenumschuldung ist nach US-Medienberichten die sogenannte Resolution Trust Corporation (RTC). Das war eine staatliche Auffanggesellschaft, die nach der Spar- und Darlehenskrise der achtziger Jahre hier eingerichtet wurde. Die RTC übernahm damals die Guthaben von mehr als tausend US-Sparkassen, die nach unregulierten Spekulationen untergegangen waren, und liquidierte sie nach Gutdünken - eine Art staatlicher Flohmarkt für private Altlasten.

Wie viel Geld hat die Fed noch in Reserve?

Der Unterschied zu heute: Diesmal rufen Banken um Hilfe, die (noch) nicht kollabiert sind und gerettet werden wollen. Wie das nun konkret aussehen soll, darüber gab es am Donnerstag zunächst nur wilde Spekulationen. Der demokratische Senator Chuck Schumer schlug vor, dass die Regierung als Teilhaber in die betroffenen Firmen investieren könnte, "um ihnen eine stärkere Kapitalbasis zu geben".

Die Frage ist: Wie viel Geld hat die Federal Reserve Bank - die sich erstmals in ihrer Geschichte als derart aktiver Teilnehmer in das Marktgeschehen einmischt - eigentlich noch übrig für solche gigantischen Engagements? Wie weit kann sie sich finanziell noch strecken?

Anfang des Jahres hatte die Fed noch rund 800 Milliarden Dollar in Reserve. Seither soll dieser Topf auf knapp 300 Milliarden Dollar geschrumpft sein. Mit der Ausgabe neuer Staatsanleihen verschafft sich die Bank nun kurzfristig Luft. Allein diese Woche füllte die Fed ihre Kasse mit weiteren 100 Milliarden Dollar. Ein Präzedenzfall: "Dies ist einzigartig", sagte der Ökonom Allan Meltzer der "New York Times". "So etwas hat die Fed noch nie gemacht."

Die Auffanglösung war nicht die einzige Maßnahme, die am Donnerstag zur Bewältigung der Mega-Krise angeleiert wurde. An allen Fronten wurde versucht, die Löcher zu stopfen. So will die US-Börsenaufsicht SEC nach einem Bericht des "Wall Street Journals" dem Beispiel der britischen Financial Services Authority folgen und bestimmte Blanko- oder Leerverkäufe vorübergehend verbieten - jene schnellen Deals, die auf Kursstürze wetten. Auch sollen Hedgefonds und andere institutionelle Großinvestoren solche Aktivitäten künftig offenlegen müssen.

Kritiker und die betroffenen Investmentbanken monieren, dass solche bisher legalen "Short Sales" ihre Probleme nur verschlimmerten, indem sie zu einem Teufelskreis führten - und dass deren Hintermänner dann davon profitierten. Schon im März hatte die SEC eine besonders umstrittene Variante des Leerverkaufs mit Finanzwerten verboten, das ungedeckte, sogenannte Naked Short Selling.

New Yorks Justizminister Andrew Cuomo leitete darüber hinaus "umfassende Ermittlungen" gegen Leerverkäufer in den Finanzmärkten ein. Im Visier hat er vor allem Geschäfte mit jenen Firmen, die in den vergangenen Tagen und Wochen am schlimmsten in den Schlagzeilen waren: Lehman Brothers, AIG, Morgan Stanley.

Atemberaubende, unwälzende Zeiten an der Wall Street also: Ohne den Staat geht es nicht weiter. "Nichts wird mehr so sein, wie es war", sagte ein Händler am Donnerstag. Auch wenn sich die Börse offenbar vorübergehend wieder gefangen hat - schon fragt die "New York Times": "Sind die Vereinigten Staaten nicht mehr länger das weltweite Leuchtfeuer des uneingeschränkten, freien Marktkapitalismus?"

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