Hamburg/New York - Der Druck wurde zuletzt immer größer - nun geben auch die beiden letzten verbliebenen US-Investmentbanken auf: Als Reaktion auf die Finanz- und Bankenkrise in den USA verzichten Morgan Stanley
und Goldman Sachs
auf ihren Sonderstatus und werden zu einfachen Holding-Unternehmen und damit zu gewöhnlichen Geschäftsbanken. Das gab die US-Notenbank Federal Reserve überraschend am Sonntagabend (Ortszeit) in New York bekannt. Die beiden Banken erhalten überdies in der Übergangsphase zusätzliche Notenbankkredite. Dies verschafft ihnen angesichts der Turbulenzen an den Finanzmärkten etwas Luft.
Die Finanzkrise beendet damit die Geschichte der großen unabhängigen Investmentbanken der Wall Street in ihrer bisherigen Form. Zu Jahresbeginn gab es noch fünf von ihnen. Investmentbanken sind Spezialisten für lukrative Wertpapiergeschäfte aller Art sowie für Fusionen und Übernahmen von Firmen. Unter hohen Risiken erzielten sie oft enorme Gewinne, mit der Kreditkrise stürzten sie in große Schwierigkeiten, die meisten erlitten Milliardenverluste.
In einem Kommentar des "Wall Street Journal" hieß es, diese Entscheidung markiere das Ende der Wall Street, wie sie seit Jahrzehnten bekannt gewesen sei. Der angekündigte Strukturwandel folgt auf eine chaotische Woche auf den internationalen Finanzmärkten.
Der bisherige Branchenführer Goldman Sachs und die Nummer zwei Morgan Stanley unterliegen künftig den Kontrollen, Regeln und Kapitalanforderungen, die auch für andere Banken gelten. Bisher genossen sie weitgehende Freiheiten und konnten größere Risiken eingehen, weil sie keine Geschäfte für Jedermann anbieten, etwa Girokonten.
Die fünftgrößte Investmentbank Bear Stearns hatte im März ihrem Zwangsverkauf an den Finanzkonzern J.P. Morgan Chase zustimmen müssen. Lehman Brothers
als Nummer vier meldete am vergangenen Montag Insolvenz an. Die bisher drittgrößte Investmentbank Merrill Lynch rettete sich durch eine Übernahme in die Arme der Bank of America.
In ihrer künftigen Rechtsform als Bankholding können Goldman Sachs und Morgan Stanley auch den anderen Geschäfts- und Universalbanken Konkurrenz auf deren eigenem Terrain machen. Finanzkonzerne wie die amerikanische Citigroup
und die Deutsche Bank vereinen unter ihrem Dach die ganze Palette von Finanzdienstleistungen - so etwa das Filialgeschäft, aber auch das eigene, interne Investmentbanking.
Angesichts der Schwierigkeiten durch die Finanzkrise waren auch Goldman Sachs und Morgan Stanley zuletzt immer mehr unter Druck geraten. Die Aussicht auf das geplante Mega-Rettungspaket der US-Regierung ließ ihre drastisch gefallenen Aktienkurse allerdings Ende vergangener Woche wieder steigen. Morgan Stanley begann wegen der Notlage bereits Fusionsgespräche.
Obama kritisiert Rettungsplan des Weißen Hauses
Unterdessen hat der demokratische US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama das geplante Programm der Regierung zum Aufkauf fauler Kredite der Finanzbranche scharf kritisiert. In einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung sprach er sich zwar erneut für eine rasche überparteiliche Vereinbarung zur Lösung der Krise aus, bemängelte aber zugleich, dass dem Regierungsvorhaben Maßnahmen zum Schutz der Steuerzahler und Hilfen für bedrängte Hausbesitzer fehlten. Bisher habe die Regierung nur ein Konzept mit einem "erschütternden Preisschild" vorgelegt "und keinen Plan", sagte der Senator aus Illinois. Es dürfe für die Regierung keinen "Blankoscheck" geben.
Das Finanzministerium verhandelt mit dem Kongress über ein Rettungspaket im Umfang von 700 Milliarden Dollar. Zusammen mit bereits erfolgten Firmenübernahmen und Sicherheitsgarantien würde die Aktion zur Wiederbelebung des Kreditflusses etwa 1,3 Billionen Dollar kosten. Die Regierung und der Kongress streben die Verabschiedung eines Rettungsplans noch in dieser Woche an, bevor der Senat und das Abgeordnetenhaus wegen der bevorstehenden Wahlen am 4. November in eine Sitzungspause gehen.
flo/dpa/Reuters/AFP
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