Wirtschaft


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Bankenkrise Chancen und Risiken der 700-Milliarden-Dollar-Pille

2. Teil: Kann das Paket eine neue Krise verhindern?

Die wirklich wichtigen Fragen aber kann das Parlament nicht klären: Hilft der Rettungsplan wirklich, die Finanzkrise zu beenden? Und wie kann eine Wiederholung des Desasters verhindert werden?

Folgen der Finanzkrise: Dax, Dow und FTSE im Vergleich
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Folgen der Finanzkrise: Dax, Dow und FTSE im Vergleich

Ökonom Krugman fasst den Ursprung der Krise in vier Schritten zusammen: Am Anfang stand die Preisblase am Immobilienmarkt. Deren Platzen führte zu Kreditausfällen und damit zum Wertverlust von Hypotheken. In der zweiten Phase litten die zu Abschreibungen gezwungenen Banken an Kapitalmangel, zumal der Markt die hohen Fremdkapitalhebel der vergangenen Jahre nicht mehr akzeptiert.

Drittens knausern die Banken bei der Kreditvergabe, um ihren Eigenkapitalanteil zu erhöhen, und schneiden so der Wirtschaft den Zugang zu Investitionen ab. Zuletzt sorgen die Banken mit Notverkäufen dafür, dass der Wert von Kreditpapieren noch weiter sinkt - was sie zu weiteren Abschreibungen und Notverkäufen, mithin in eine Abwärtsspirale führt.

Der Paulson-Plan, meint Krugman, setze erst in der vierten Phase an und unternehme daher nichts gegen Kapitalmangel und Kreditklemme. Der Dodd-Vorschlag einer Staatsbeteiligung an den Banken dagegen könne für frisches Kapital sorgen - das, was der Markt aus eigener Kraft nicht mehr geschafft habe.

Doch selbst der Stopp der Abwärtsspirale in Stufe vier sei nicht sicher. "Entscheidend wird der Preis, zu dem der Staat Hypothekenpapiere aufkauft", sagt Wirtschaftshistoriker Irwin Collier. "Ist er zu niedrig, ist den Banken überhaupt nicht geholfen. Ist er zu hoch, dann ist es wirklich ein Geschenk an die Wall Street."

In dieser Frage halten sich sowohl Paulson als auch Dodd zurück. Der Paulson-Entwurf verweist lediglich auf das Gesetz Federal Credit Reform Act von 1990, das als Richtschnur gelten könne - und das heißt Aufkauf von Krediten zu Marktpreisen. Wie die ermittelt werden und wie das Finanzministerium genau vorgeht, bleibt ihm allerdings selbst überlassen.

Paulsons Mitarbeiter haben eine "Reverse Auction" ins Spiel gebracht. Dabei versteigert der Staat die Verwendung der Rettungsmilliarden - nur dass diese Auktion nicht gewinnt, wer am meisten bietet, sondern wer am wenigsten verlangt. Sehr groß wäre der Unterschied zur bisherigen Marktsituation allerdings nicht: Wer seine kritischen Wertpapiere loswerden will, muss hohe Abschläge in Kauf nehmen. Die Investmentbank Merrill Lynch trennte sich im Juli von einem großen Paket Hypothekenpapiere und bekam 20 Cent je Dollar Ursprungswert.

"Die US-Regierung wird die Papiere nicht zu grundsätzlich besseren Bedingungen kaufen als marktüblich", sagt der Ökonom Bernhard Herz von der Universität Bayreuth. Für die Banken liege der Unterschied zu einem schon jetzt möglichen Verkauf der Papiere am freien Markt nur darin, dass sie die Verluste über einen längeren Zeitraum strecken können.

"Es wird daher weitere Bankpleiten geben", schätzt Herz, "aufgrund der zeitlich gestreckten Abwicklung aber vermutlich einige weniger als ohne Rettungsplan".

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