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29.09.2008
 

Finanzkrise

Britische Hypothekenbank Bradford & Bingley wird verstaatlicht

Die Finanzkrise fordert in Großbritannien ein weiteres Opfer: Die Hypothekenbank Bradford & Bingley wird weitgehend verstaatlicht. Das Geschäft mit Spareinlagen geht an die spanische Großbank Santander.

London - Krisenstimmung in England: Die Hypothekenbank Bradford & Bingley (B&B) verliert größtenteils ihre Eigenständigkeit. Die Regierung in London erklärte am Montag, sie werde faule Kredite des Instituts übernehmen. Deren Gesamtwert: 50 Milliarden Pfund, umgerechnet rund 63 Milliarden Euro. Im Gegenzug geht das Institut weitgehend in den Besitz der Regierung über.

Bradford & Bingley in London: Verstaatlichung nach Anleger- und Kundenflucht
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REUTERS

Bradford & Bingley in London: Verstaatlichung nach Anleger- und Kundenflucht

B&B musste wie viele andere Banken Abschreibungen durch geplatzte Immobilienkredite hinnehmen. Insgesamt stecken in der Bilanz von B&B Risikoposten von 52 Milliarden Euro aus Hypotheken, teilte der britische Finanzminister Alistair Darling mit.

Darling verteidigte die geplante Verstaatlichung. Der Schritt sei nötig, um das gesamte Bankensystem zu stabilisieren, das von einem B&B- Zusammenbruch getroffen worden wäre, sagte er am Montag in London. Außerdem hätten die B&B-Kunden und deren Ersparnisse geschützt werden müssen.

Neben der Übernahme fauler Kredite will das britische Finanzministerium 18 Milliarden Pfund bereitstellen, um den Verkauf des Filialnetzes und des Kleinkundengeschäftes von B&B an den spanischen Bankriesen Santander zu ermöglichen. Santander erklärte, sie werde von B&B Firmenteile für umgerechnet gut 773 Millionen Euro übernehmen. Die Santander-Tochter Abbey bekomme das Filialnetz sowie 2,7 Millionen Sparkonten von B&B-Privatkunden mit Einlagen über 21 Milliarden Pfund.

Die Zeitung "Sunday Telgraph" hatte bereits zuvor gemeldet, die britische Finanzaufsicht FSA sei auf der Suche nach einem Käufer für Bradford & Bingley. Andere britische Medien berichten, B&B werde verstaatlicht und in Teilen verkauft.

Die Bank hatte in der vergangenen Woche die Streichung von 370 Stellen angekündigt, die Aktie fiel seit Jahresbeginn ins Bodenlose: Im Januar stand sie noch bei 300 Pence, am Freitag gerade mal bei 20 Pence. Am Samstag hoben zudem zahlreiche besorgte Kunden ihr Geld von der Bank ab.

Mit B&B wird seit Februar schon die zweite Bank verstaatlicht. Die britische Regierung hatte damals die Hypothekenbank Northern Rock übernommen, nachdem eine private Übernahme nach monatelanger Suche aussichtslos schien. Laut BBC könnte Northern Rock nun sogar in das Hypothekengeschäft von B&B eingebracht werden.

ssu/AP/dpa/Reuters

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