Von Marc Pitzke, New York
Sicher war es letztlich Pelosis Verantwortung, das Gesetz durch die Kammer zu bugsieren. Dennoch beharrten die Demokraten, sie hätten ihre "Seite des Deals eingehalten" (Pelosi). 60 Prozent der Demokraten hätten "persönliche Gefühle" beiseite gestellt und mit Ja votiert, berichtete der Abgeordnete James Clyburn hinterher - während 67 Prozent der Republikaner dagegen gestimmt hätten.
Pelosi und Boehner, so war am Montagabend zu hören, würden nun als erstes die Kollegen in "sicheren" Wahlkreisen in die Pflicht nehmen. Tenor: "Das Schicksal der Nation hängt von euch ab." Die US-Handelskammer schickte derweil einen Warnbrief an alle Abgeordneten: "Täuschen Sie sich nicht. Die Amerikaner werden diejenigen, die nur zuguckten und die Kalamität geschehen ließen, nicht tolerieren."
Aber auch die zwei Präsidentschaftskandidaten tragen Mitschuld. Weder Barack Obama noch John McCain wollten sich öffentlich so richtig zu dem Rettungspaket bekennen - die Zustimmung der beiden blieb die ganze Zeit nur lauwarm.
McCain steht allerdings am dümmsten da: Er hatte seinen Wahlkampf vorige Woche unter großem Trara "ausgesetzt", um die Gespräche in Washington persönlich anzukurbeln. Stattdessen zerbrach ein erster Kompromiss kurz nach seinem Eintreffen, und die restliche Zeit beteiligte er sich meist sowieso nur telefonisch an den Verhandlungen - wenn überhaupt.
Diese Krise könnte für McCain zu einer großen Last werden. Unbeirrt prahlte er am Montagvormittag bei einer Wahlveranstaltung noch mit seiner Rolle beim Eintüten des Pakets. Kurz darauf scheiterte die Abstimmung im Kongress.
Als McCain von Reportern darauf angesprochen wurde, verschwand er schnell - und wortlos. Erst mehr als eine Stunde nach Börsenschluss trat er vor die Kameras: "Unsere Führer haben versagt", sagte er, sich selbst davon offenbar ausnehmend. "Jetzt ist es an der Zeit, dass alle Kongressmitglieder noch mal neu anfangen."
Doch erst nach dem Feiertag. Zumindest einer aber wird sich am Dienstag in Washington an die Börsen wenden: Bush will am Vormittag erneut eine Ansprache im Rosengarten des Weißen Hauses halten und vor Panik warnen. Wie schon am Montag - vor dem Crash.
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