Der Mythos: Als "Mutter aller Krisen" stellt die aktuelle Krise von ihrem Umfang, aber auch ihren Kosten für den Steuerzahler alles bisher Gekannte in den Schatten - bis auf vielleicht die große Depression der dreißiger Jahre.
Die Realität: Dramatische Bankenkrisen hat es immer wieder gegeben - seit 1970 zählt der Internationale Währungsfonds (IWF) 42 Zusammenbrüche in solch verschiedenen Ländern wie Argentinien, Tschechien, Indonesien oder China, aber auch in Japan, Finnland, Schweden oder Norwegen. Im Vergleich zu vielen dieser Krisen ist die US-Krise bislang noch nicht einmal besonders tiefgreifend oder teuer: Viele der Turbulenzen waren für den Steuerzahler deutlich kostspieliger als die US-Krise.
Das Paulson-Rettungspaket von 700 Milliarden Dollar entspricht etwa fünf Prozent der US-Wirtschaftsleistung, wobei wahrscheinlich nur ein Teil dieses Betrages wirklich für den Steuerzahler verloren geht (siehe Mythos 1). Im Durchschnitt liefen nach den IWF-Daten bei den Bankenkrisen seit 1970 Kosten für die Steuerzahler des jeweiligen Landes von 13 Prozent des BIP auf, einzelne Krisen wie jene in Indonesien Ende der neunziger Jahre waren sogar mehr als viermal so teuer.
Was aber natürlich diese Krise von den anderen unterscheidet, ist, dass die Krise diesmal die größte Volkswirtschaft der Erde getroffen hat und damit absolut bislang ungekannte Dimensionen erreicht. Und selbst wenn diese Krise im internationalen Vergleich gar nicht zu den größten Krisen gehört, ist dies wohl eher ein schwacher Trost: Nur wenigen Ländern gelang es am Ende, bei einer Bankenkrise eine Rezession zu vermeiden.
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