Brüssel/Paris - Die Aktienkurse der Banken Fortis und Dexia sind an der Brüsseler Börse deutlich gestiegen. Das Papier der belgisch-niederländischen Fortis notierte am Nachmittag gut sieben Prozent über dem Vortageswert. Die Aktie der belgisch-französischen Dexia legte in Brüssel um mehr als zehn Prozent zu. Beide Banken wurden durch Zuschüsse der Benelux-Länder sowie Frankreich vor dem Zusammenbruch bewahrt.
Dexia-Logo in Brüssel: Neue staatliche Rettungsaktion
Die Dexia-Rettung kommt einer Verstaatlichung nah: Die belgische und die französische Regierung schießen jeweils drei Milliarden Euro zu. Luxemburg liefert 376 Millionen Euro. Nach der Aktion für Dexia halten Frankreich und Belgien zusammen mehr als 50 Prozent an der Finanzgruppe.
Die Rettung der Immobilienbank hatte für die Regierungen hohe Priorität. Besonders für die belgischen Kommunen ist Dexia ein wichtiger Kreditgeber. Der Konzern ist hauptsächlich auf drei Feldern tätig: Finanzdienstleistungen für die öffentliche Hand, Vermögensverwaltung sowie das Privatkundengeschäft. Dexia hat gut 5,5 Millionen Kunden in Belgien, Luxemburg, der Türkei und der Slowakei. In Deutschland ist der Konzern mit der Dexia Kommunalbank Deutschland AG vertreten.
"Unser Ziel war es, uns politisch stark zu machen, um ein Signal an die Märkte zu senden", sagte der belgische Regierungschef Yves Leterme am Dienstag. Er kündigte an, auch die Situation der Finanzkonzerne KBC ING genau zu verfolgen. Das Bankensystem in Europa sei weiterhin in der "Gefahrenzone", sagte Leterme.
Die Rettung der Dexia-Bank ist bereits die zweite Hilfsaktion mehrerer EU-Länder innerhalb kürzester Zeit. Erst am Montag hatten die Regierungen Belgiens, der Niederlande und Luxemburgs bereits Fortis mit 11,2 Milliarden Euro vor dem Zusammenbruch bewahrt. Belgien übernimmt für 4,7 Milliarden Euro 49 Prozent der Anteile des belgischen Zweigs von Fortis. Die Niederlande investieren vier Milliarden Euro für ebenfalls 49 Prozent an der Fortis Bank Niederlande. Luxemburg zahlt für 49 Prozent der Aktien an der Fortis Banque Luxembourg 2,5 Milliarden Euro.
Auch in Deutschland machen sich die Auswirkungen der Finanzkrise bemerkbar. Mehrere deutsche Banken und der Bund erklärten am Montag, den Finanzkonzern Hypo Real Estate mit einem milliardenschweren Rettungspaket vor dem Zusammenbruch retten zu wollen. In England wird die Hypothekenbank Bradford & Bingley nach einem dramatischen Wertverlust verstaatlicht und zerschlagen.
In den USA forderte die Finanzmarktkrise ebenfalls ein weiteres Opfer. Wie der US-Einlagensicherungsfonds FDIC am Montag mitteilte, wird die Citigroup die Bankgeschäfte und einen Teil der Verbindlichkeiten der US-Bank Wachovia übernehmen. Die in New York ansässige Bank werde bis zu 42 Milliarden Dollar der bei Wachovia anfallenden Verluste aus dem Gesamtbestand von 312 Milliarden Dollar an Krediten übernehmen.
ssu/AFP/AP/dpa/ddp
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