Wirtschaft



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01.10.2008
 

Folgen der Finanzkrise

Kreditklemme bedroht deutsche Unternehmen

Von Nils-Viktor Sorge

2. Teil: "Kein Unternehmen ist immun"

Die Finanzkrise werde sowohl die Ausgaben der Firmen als auch die Kauflust der Verbraucher dämpfen, sagt auch Microsoft-Chef Chart zeigen Steve Ballmer voraus. "Ich denke, man muss davon ausgehen, dass kein Unternehmen immun dagegen ist." Die Märkte bräuchten dringend ein Zeichen, dass sich die Lage stabilisiere, warnte Ballmer und machte sich für einen neuen Anlauf für das Banken-Rettungspaket der US-Regierung stark.

An den Aktienmärkten scheint eine Rezession teilweise bereits eingepreist. Zu den größten Verlierern der vergangenen Wochen im Dax gehört mit ThyssenKrupp Chart zeigen auch ein Wert, der lange als beispielhaft für die Solidität des Aufschwungs an den Märkten galt.

Doch nun schwächelt die Nachfrage, verstärkt durch die Finanzkrise. Wegen der Konjunkturschwäche senken Analysten jetzt ihre mittelfristigen Stahlpreisschätzungen und in der Folge auch die Gewinnschätzungen für die Unternehmen der Branche. Seit Herbst 2007 hat ThyssenKrupp etwa 50 Prozent an Wert verloren. Auch bei Börsenstars der vergangenen Jahre wie MAN Chart zeigen reduzieren Analysten die Gewinnerwartungen bereits deutlich.

Am stärksten leiden klassischerweise Unternehmen, die sich zuletzt im großen Stil mit Fremdkapital eingedeckt hatten, um ihre Expansion zu finanzieren und das Eigenkapital der Investoren zu schonen. "Der Hebel war oft viel zu groß", sagt Hellmeyer. Betroffen sind vor allem von Private-Equity-Investoren übernommene Firmen, die tief in den Schulden stecken, die nun immer teurer werden.

Finanzinvestoren unter Druck

So setzt die Krise die Finanzinvestoren KKR und Permira bei ProSiebenSat.1 zusätzlich unter Druck. Die Eigner haben den Medienkonzern hoch verschuldet, um die Übernahme der TV-Gruppe SBS zu finanzieren und sind gleichzeitig auf eine hohe Dividende angewiesen, um eigene Verbindlichkeiten zu bedienen. Ob die weiter fließt, ist angesichts zuletzt schwacher Erlöse bei ProSiebenSat.1 fraglich. Die Folgen: Es wird im Programm und bei den Jobs gekürzt.

KKR gerät mit seinen deutschen Aktivitäten auch an anderer Stelle ins Schlingern. Der Wert der vom Finanzinvestor erworbenen Werkstattkette ATU sinkt rapide. Das Unternehmen hat wegen der hohen Verschuldung und der schwierigen Marktbedingungen bei Ratingagenturen keinen guten Stand. KKR musste Geld nachschießen und handelte damit gegen seine sonst gültigen Prinzipien.

Und auch ein Teil der jüngsten Abschläge bei der Commerzbank Chart zeigen erklären sich offenbar mit den als hoch eingeschätzten Kosten durch die Übernahme der Dresdner Bank. Immerhin liege die Marktkapitalisierung der Commerzbank mittlerweile rund ein Drittel unter der für die Dresdner Bank zu stemmenden Summe. Die Bank betont derweil, die Finanzierung stehe.

Doch es gibt auch Gewinner: Konzerne, die in der Aufschwungphase moderat gewirtschaftet haben, könnten nun profitieren. Gut möglich, dass deutsche Firmen aus den Bereichen Lebensmittel oder Chemie belohnt werden. Angesichts immer billiger werdender Börsenkonzerne haben sie plötzlich Spielraum für Zukäufe. Das hieße in diesen turbulenten Zeiten aber, dass die Aufkäufer selbst genügend Bares in der Kasse hätten, sagt Hellmeyer. "Die müssten das mit eigenen Mitteln machen, weil die Banken mit dem Rücken zur Wand stehen."

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