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05.10.2008
 

Deregulierung der Börse

China erlaubt Börsianern das Zocken

Europa und die USA wollen ihre Börsen stärker regulieren - China macht das genaue Gegenteil: Händler dürfen dort künftig mit geliehenem Geld Aktien kaufen und Leerverkäufe tätigen. In vielen Ländern sind short sales zurzeit verboten, weil sie Kurse ins Bodenlose stürzen können.

Shanghai - China belebt seine Börsen durch die Erlaubnis neuer Spekulationsformen. Künftig sollen sich Händler von Brokerhäusern Geld zum Aktienkauf leihen dürfen. Durch sogenannte margin trades können sie mehr Wertpapiere kaufen als bisher. Außerdem kündigten Chinas Behörden am Sonntag die Einführung von Leerverkäufen - sogenannter short sales - an.

Dabei leihen sich Händler Aktien von anderen Börsianern und verkaufen sie sofort wieder am Aktienmarkt. Sie spekulieren darauf, dass die Preise der Papiere fallen. Geschieht dies, kaufen die Händler die Aktie günstiger zurück - und streichen die Differenz zwischen Verkaufs- und Kaufpreis als Gewinn ein. Da diese Geschäfte den Abwärtstrend von Aktien dramatisch beschleunigen können, sind sie wegen der Finanzkrise derzeit an vielen Börsen weltweit ausgesetzt.

China plant seit langem Reformen an seinen Aktienmärkten, hat diese wegen enormer Kursschwankungen in den vergangenen Jahren jedoch mehrfach aufgeschoben. Ab wann die neuen Spekulationsformen, die in einer Versuchsphase zunächst bei einigen Aktien getestet werden sollen, in Kraft treten, blieb zunächst offen. Experten erwarten, dass die chinesischen Börsen von den angekündigten Maßnahmen stabilisiert werden.

Dazu hatte China zuletzt bereits mit seinem Staatsfond Aktien gekauft und die Besteuerung von Aktiengewinnen abgeschafft. Manche Investoren hoffen, dass die Behörden bald auch den Terminhandel mit Aktien - sogenannter futures - einführen.

ssu/Reuters

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