Brüssel - Den Zeitungen "De Tijd" und "De Standaard" zufolge einigte sich die BNP am Sonntagabend mit Vertretern der Regierungen beider Länder. In Belgien übernimmt BNP danach 75 Prozent des Kapitals, in Luxemburg 66 Prozent. Die Regierungen beider Länder behalten Sperrminoritäten.
Der belgische Ministerpräsident Yves Leterme bestätigte in der Nacht die Übernahme. Der luxemburgische Budgetminister Luc Frieden hatte zuvor lediglich gesagt, die Fortis Banque Luxembourg werde "von einer europäischen Bank erster Ordnung" übernommen. Am späten Abend trat jedoch die belgische Regierung in Brüssel zusammen, um eine Einigung zu billigen.
Laut "De Tijd" wird die Transaktion mit Aktien der BNP Paribas finanziert. Demnach bekommt Belgien einen Anteil von zehn Prozent an BNP im Wert von 6,5 Milliarden Euro, Luxemburg bekommt einen Anteil von 1,4 Prozent.
Der belgische Staat hatte am Freitag einer Trennung vom niederländischen Fortis-Teil zugestimmt. Gemeinsam mit den Niederlanden und Luxemburg hatte Belgien vor einer Woche zunächst 11,2 Milliarden Euro aufgebracht, um jeweils 49 Prozent des Kapitals der jeweiligen Fortis-Bankgesellschaften zu erwerben. Am Freitag dann hatten die Niederlande 16,8 Milliarden Euro gezahlt, um Fortis Niederlande einschließlich der ein Jahr vorher erworbenen niederländischen Großbank ABN Amro zu kaufen.
BNP Paribas ist die größte französische Bank und wies Ende Juni einen Nettogewinn von 3,5 Milliarden Euro aus. Das Unternehmen beschäftigt knapp 170.000 Mitarbeiter in rund 85 Ländern.
Am Wochenende wurden Spannungen zwischen den Regierungen in Brüssel und Den Haag deutlich. Leterme teilte mit, die belgische Regierung habe seit der ersten Rettungsaktion über die Zentralbank 45 Milliarden Euro Kredite einräumen müssen, um den Zusammenbruch der Großbank zu verhindern.
Die bei der ersten Rettungsaktion bereitgestellten 11,2 Milliarden Euro sind laut "De Standaard" innerhalb weniger Tage "verdampft". Schuld daran seien zahlreiche niederländische Großkunden gewesen, die trotz der 49-prozentigen Anteilsübernahme durch die drei Regierungen ihr Geld abgezogen hätten. Belgische Kunden seien hingegen Fortis treu geblieben.
Leterme sagte, die Aufspaltung von Fortis in einen niederländischen und einen belgischen Teil sei eine Lösung, bei der beide Seiten gewännen. Er reagierte damit auf eine Äußerung des niederländischen Finanzministers Wouter Bos, der erklärt hatte, Den Haag habe "den gesunden Teil" des Konzerns gekauft.
"De Standaard" warf Bos vor, "mit verschiedenen katastrophalen Bemerkungen über Fortis" - beispielsweise über "Leichen im Keller" des Unternehmens - die Krise ausgelöst zu haben. Den Haag habe dann "beinhart" versucht, Fortis Niederlande "zu einem lachhaften Preis" zu übernehmen. Dazu gehört auch die niederländische Bank ABN Amro, die Fortis im vergangenen Jahr für 24 Milliarden Euro gekauft hatte.
ssu/dpa
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